Mit Aktionen und Atmosphäre punkten
Bild: Sudbrock
Neue Vertriebswege: Susanne und Bernhard Ackfeld setzen nicht ausschließlich auf ihr Ladengeschäft an der Berliner Straße in Rheda. Seit eineinhalb Jahren verkaufen sie Schuhe auch über einen Online-Shop. Bestellungen werden direkt in Kartons verpackt und verschickt.
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„Wer im härter werdenden Wettbewerb überleben will, muss seine Hausaufgaben machen“, sagt Bernhard Ackfeld. Selbstständige Einzelhändler täten gut daran, mit der Zeit zu gehen. Der Vertreter der Initiative Rheda, der an der Berliner Straße ein Schuhgeschäft betreibt, rät seinen Einzelhandelskollegen dazu, den digitalen Anschluss nicht zu verpassen. „Online- und Offline-Verkauf müssen miteinander verknüpft werden“, sagt er.

Kunden sollen sich wohlfühlen

Für Bernhard Ackfeld hat sich dieses Konzept ausgezahlt. Er vertreibt seine eher hochpreisigen Herren- und Damenschuhe nicht ausschließlich über sein Geschäft, sondern auch übers Internet: „Unser Online-Shop ist vor eineinhalb Jahren an den Start gegangen und gewinnt zunehmend an Bedeutung.“ Der Rhedaer Kaufmann weiß aber auch, dass er trotz der Internetaktivitäten sein Fachgeschäft nicht vernachlässigt darf: „Die Kunden müssen sich bei uns wohlfühlen und bestens beraten werden. Aber natürlich muss auch die Auswahl stimmen.“

Kirche im Dorf lassen

Vor Schwarzmalerei in Sachen Online-Konkurrenz warnt Michael Ebeling vom Vorstand des Gewerbevereins Wiedenbrück. Die Zuwachsraten, die Internetanbieter wie Amazon aktuell verzeichneten, seien auf den ersten Blick zwar schwindelerregend. „Dennoch muss man die Kirche im Dorf lassen“, betont Ebeling. Verglichen mit dem Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels liege der stationäre Verkauf haushoch vor den Mitbewerbern aus dem Netz.

Keine Angst vor leeren Städten

Menschenleere Innenstädte ohne Geschäfte – daran denkt Ebeling, der seit 1987 im Vorstand des Gewerbevereins engagiert ist, nicht, wenn er sich Rheda-Wiedenbrück in fünf oder zehn Jahren vorstellt. „Für den Handel vor Ort sprechen starke Argumente, und das haben auch viele unserer Kunden erkannt.“

Ebeling vergleicht die aktuelle Situation gerne mit den 1980er-Jahren, als das Privatfernsehen aufkam „und alle Welt das Ende des Buchs heraufbeschworen hat“. Selbst die digitale Revolution kurz vor der Jahrtausendwende habe nicht das Aus des gedruckten Worts bedeutet. Ähnlich verhalte es sich auch mit dem Einzelhandel: „Es wird ihn weiterhin in unseren Städten geben, aber eben auch über Tablet, Smartphone und PC.“

Handel bedeutet Wandel

Nichts ist so beständig wie der Wandel – das gilt nach Überzeugung Bernhard Ackfelds und Michael Ebelings insbesondere für den Handel. „Wir müssen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen“, sagt der Vertreter der Initiative Rheda. Und sein Kollege aus Wiedenbrück ergänzt: „Den Kopf in den Sand stecken gilt nicht.“

Wie können stationäre Anbieter gegenüber der Konkurrenz aus dem Internet punkten? „Attraktive Innenstädte mit einem interessanten Angebot“ sind nach Einschätzung von Michael Ebeling ein Schlüssel zum Erfolg. Bernhard Ackfeld sieht es ähnlich: „Das Einkaufen zum Erlebnis machen können nur wir Händler vor Ort. Da sieht das Internet ziemlich alt aus.“

Nachtschicht und Frühlingsfest

In beiden Stadtteilen organisieren die Kaufleute regelmäßige Einkaufevents: Ob Nachtschicht oder Christkindlmarkt in Wiedenbrück beziehungsweise Frühlingsfest oder Kriminacht in Rheda – wenn die Händler mit Sonderaktionen und Begleitprogramm locken, sind Straßen und Läden gut gefüllt.

Michael Ebeling kann sich eine Ausweitung dieser Aktivitäten vorstellen: „Bei uns im Vorstand gibt es verschiedene Ideen, um gerade auch unter der Woche das Einkaufserlebnis zu würzen.“

Attraktive Achse

Bernhard Ackfeld wünscht sich für sein Geschäft ein attraktives Umfeld. Daran werde in Rheda zurzeit intensiv gearbeitet, sagt er mit Verweis auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept. Eine Flaniermeile, die vom Schloss über den noch zu modernisierenden Doktorplatz durch die City bis zum Bahnhof verläuft, könne die Strahlkraft Rhedas insbesondere in der Wahrnehmung auswärtiger Kunden erhöhen, erklärt er.

Stadtfirma als Denkmodell

Michael Ebeling weiß aus seinem engen Kontakt mit zahlreichen Einzelhändlern, dass viele innerhalb der Familie für ihren Betrieb keinen Nachfolger finden. Oft seien aber langjährige, erfahrene Angestellte bereit, das Geschäft zu übernehmen. „Ihnen fehlt es aber nicht selten am notwendigen Kapital für anstehende Investitionen.“ Wegen nicht vorhandener Sicherheiten gestalte sich zudem die Kreditaufnahme schwierig. „Hier könnte eine Art Stadtfirma oder Betriebsgesellschaft in die Bresche springen“, erklärt Ebeling. Ein Pool privater Kapitalgeber könne Finanzierungen ermöglichen und damit den Fortbestand zahlreicher „im Grunde gut funktionierender Geschäfte“ sicherstellen.

Noch handele es sich um ein Gedankenmodell, unterstreicht Ebeling. „Aber wir wären nicht seit Jahrzehnten so erfolgreich, wenn wir uns nicht immer wieder selbst erfinden und Lösungen entwickeln würden, die passgenau auf unsere Anforderungen und die der Kunden zugeschnitten sind.“

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