Mit Schweinen reden wie mit Kindern
Bild: Inderlied
Zuversichtlich: Inmitten von Senfblüten, die er als Zwischenfrucht anbaut, schaut Christoph Sandhäger optimistisch in die Zukunft. Der 21-jährige Jungbauer aus St. Vit möchte künftig einen Teil seiner Ferkel selbst mästen und verkaufen.
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Im vorerst letzten Teil steht Christoph Sandhäger aus St. Vit im Mittelpunkt. Bevor es in den Stall geht, zwängt sich Christoph Sandhäger katzenartig in den engen Overall. „Der ist Pflicht“, sagt der 21-jährige Schweinebauer und zieht sich die Gummistiefel an. Lautes Gequieke schallt aus dem Gebäude, als der junge Landwirt die Stalltür aufschiebt. Aufgeregt springen die Ferkel in den Boxen auf, als sich die für sie unbekannte Person nähert, und unterbrechen das Säugen an der Mutter. Relativ unbeeindruckt schaut hingegen die Sau auf. Viel bewegen kann sie sich ohnehin nicht, denn ein Metallgestell schränkt sie ein. Aus Sicherheitsgründen, wie Sandhäger erklärt. „Eigentlich haben sie einen super Mutterinstinkt und passen auf, wo sie sich hinlegen.“ Sollte sich aber das rund 200 Kilogramm schwere Tier beispielsweise bei der Fütterung aber abrupt auf den Boden fallen lassen, schweben die Ferkel in höchster Lebensgefahr.

Bis zu zwölf Ferkel pro Wurf

Sein Geld verdient Sandhäger mit der Aufzucht von Ferkeln. Pro Wurf schenken die 380 Sauen jeweils bis zu zwölf Ferkeln das Leben. Die Jungtiere werden aufgezogen und an den Schlachter verkauft, wenn sie 75 Tage alt sind und knapp 30 Kilo wiegen. Daneben baut er Mais, Weizen, Gerste und als Zwischenfrucht Senf auf seinen Ackerflächen an.

Signale der Tiere

Schon in seinen jungen Jahren hat Sandhäger gelernt, auf die Signale seiner Tiere zu achten. „Ich kann sehen, ob ein Ferkel friert, Hunger hat oder müde ist“, sagt der 21-Jährige. Die kritische Phase seien die ersten drei bis fünf Tage nach der Geburt. „Die Jungtiere haben noch kein Immunsystem, wenn sie auf die Welt kommen“, erklärt Sandhäger. Deshalb kann er auch die Diskussion um die Verabreichung von Antibiotika nicht verstehen. „Schon im Tierschutzgesetz steht, dass ein krankes Tier behandelt werden muss“, so Sandhäger.

Kommunikation funktioniert

Die Kommunikation mit den Tieren funktioniert auch umgekehrt. „Die Schweine merken viel anhand der Körpersprache. Wenn jemand Angst hat, fühlen sie auch Angst“, berichtet Sandhäger. „Das Tier bekommt das mit und fragt sich, was gerade falsch läuft.“ Deshalb geht er behutsam mit seinen Schützlingen um. „Wir reden mit ihnen wie mit einem Kleinkind. Die ruhige Stimme überträgt sich schnell auf die Tiere.“

Die Entscheidung, später Landwirt zu werden, ist Christoph Sandhäger praktisch in die Kinderwiege gelegt worden. „Seit 1921 ist ein Sandhäger auf diesem Hof und füttert seine Tiere“, berichtet der 21-Jährige. Schon im Kindergarten habe er sich festgelegt, den gleichen Weg wie seine Eltern Bruno und Ursula einzuschlagen.

Die Eltern als Vorbild

„Das erfüllt einen mit Stolz und ist eine Verpflichtung“, gibt der junge Mann zu, der vor zwei Jahren seine Ausbildung zum Landwirt abschloss. Die immer wieder aufflammenden Diskussionen um den Tierschutz ärgern ihn. „Wir Landwirte denken den ganzen Tag über nichts anderes nach als darüber, wie es den Schweinen besser gehen könnte.“ Nur gesunde Tiere könnten auch die beste Leistung bringen – alles andere sei keine Option. „Wir können auf nichts verzichten, weil die Preise so gedrückt werden“, erklärt Sandhäger.

Betrieb muss laufen

Um seinen Betrieb am Laufen zu halten, arbeite er 65 bis 70 Stunden in der Woche. Wenn eine Geburt ansteht, liege er bis nach Mitternacht im Stall, sei beim Muttertier und unterstütze, wo immer er kann. Die vielen Arbeitsstunden seien aber gar nicht das Schlimmste, sagt der 21-Jährige: „Die Ungewissheit. Wir hängen so sehr in der Luft, weil uns der Preis diktiert wird.“

Um sich ein wenig unabhängiger zu machen, hat sich Sandhäger Gedanken über eine Direktvermarktung gemacht. Fünf Ferkel hat er von der letzten Lieferung behalten, um sie auf eigene Kosten weiter zu mästen. Später will er sie selbst verkaufen. In einer Liste, die unter anderem bei dem befreundeten Jungbauern Henry Engemann aus St. Vit ausliegt, können Interessenten die verschiedenen Fleischstücke vom Schwein ordern. „Das ist jetzt der Anfang“, erklärt Sandhäger. „Ob es die richtige Entscheidung ist, wird die Zeit zeigen.“

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