Mit Wohnmobil und Co. auf Reisen gehen
Bild: von Stockum
Roland Potthoff, Leiter der TÜV-Station Rheda-Wiedenbrück kennt sich in Fragen rund ums Auto aus. Er weiß auch, welche Fahrerlizenzen für welche Anhängerlasten erforderlich sind. 
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Und diejenigen, die besonders schwer bepackt sind, denken womöglich darüber nach, sich mit Anhänger auf den Weg zu machen. Autofahrer sind gut beraten, wenn sie sich mit entsprechenden Anforderungen auskennen. Roland Potthoff, Leiter der TÜV-Station Rheda-Wiedenbrück, bringt Licht ins Dunkle.

Bevor man sich beispielsweise eine Ferienwohnung auf Rädern mietet oder kauft, gilt es zu klären, wer überhaupt welches Wohnmobil steuern darf. „Das kommt ganz auf das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs und das Ausstellungsdatum des Führerscheins an“, erklärt Roland Potthoff. Wer vor 1999 seinen Führerschein der Klasse 3 erworben hat, darf Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis zu 7,5 Tonnen fahren, weiß der Experte in Rheda-Wiedenbrück. Sollen auch Jüngere das Steuer übernehmen, müsse bedacht werden, dass Fahrer mit dem neuen Führerschein der Klasse B Reisemobile von höchstens 3,5 Tonnen lenken dürfen. Für schwerere Gefährte von bis zu 7,5 Tonnen werde der Lkw-Führerschein der Klasse C1 benötigt.

Richtgeschwindigkeit im Blick Ob man sich für mehr Platz oder für ein kompakteres Modell entscheidet, beeinflusst auch die Reisegeschwindigkeit. „Die Richtgeschwindigkeit von Mobilen mit bis zu 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse liegt auf Bundesautobahnen und Kraftfahrstraßen bei 130 Kilometern pro Stunde, bei größeren Fahrzeugen beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 100 km/h“, weiß der TÜV-Experte von der Station am Pilgerpatt. Anhänger bieten zusätzlichen Platz für viel Gepäck oder sperriges Transportgut wie Boote oder Jet-Skis. Doch für welchen Typ benötigt man eine zusätzliche Fahrerlaubnisklasse? „Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 750 Kilogramm dürfen bei Besitz der Fahrerlaubnisklasse B immer gezogen werden – auch wenn dadurch die Summe der zulässigen Gesamtmassen von Auto und Anhänger (gleich zulässige Gesamtmasse des Gespanns) 3,5 Tonnen übersteigt“, sagt Roland Potthoff, Leiter der TÜV-Station Rheda-Wiedenbrück. Wenn die zulässige Gesamtmasse des Anhängers 750 Kilogramm überschreiten sollte, sei er mit Klasse B zulässig, solange die zulässige Gesamtmasse des Gespanns maximal 3,5 Tonnen beträgt.

Auf das Gewicht des Gespanns achten

Roland Potthoff weist darauf hin, dass besonders für Caravaner der B-Führerschein mit Schlüsselzahl 96 interessant sein könnte, denn mit diesem erhöhe sich die zulässige Gesamtmasse des Gespanns auf 4,25 Tonnen. Sollten die bereits genannten Bedingungen nicht erfüllt, so sei mindestens ein Führerschein der Klasse BE erforderlich. „Damit dürfen hinter Kraftfahrzeugen der Klasse B Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 3,5 Tonnen gezogen werden“, berichtet der Stationsleiter. Wer noch mehr transportieren will, benötige einen Lkw-Führerschein der Klasse C1E. Potthoff: „Hiermit erhöht sich die Obergrenze der zulässigen Gesamtmasse der Fahrzeugkombination auf zwölf Tonnen.“

Im EU-Ausland reicht der nationale Führerschein

Urlauber, die in die Ferne schweifen, sollten wissen, wann sie einen internationalen Führerschein benötigen. In manchen Fällen ist eine spezielle Fahrerlaubnis erforderlich. „Der internationale Führerschein ist eine amtliche Übersetzung der nationalen Fahrlizenz und gilt auch nur in Kombination mit dieser“, betont der Leiter der TÜV-Station Rheda-Wiedenbrück. „Das Dokument kann bei der örtlichen Führerscheinstelle oder den Straßenverkehrsämtern beantragt werden, zusätzliche Tests oder Prüfungen müssen nicht abgelegt werden“, erläutert Potthoff. Wer noch einen alten grauen oder rosafarbenen Papier-Führerschein hat, muss diesen beim Antrag gegen den scheckkartenförmigen EU-Führerschein eintauschen. Außer 15 bis 20 Euro für den Internationalen Führerschein kommen dann 24 Euro für den neuen hinzu, kennt er sich aus. „Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass alle zuvor genehmigten Fahrzeugklassen auf die neue Karte übernommen werden“, hebt Roland Potthoff hervor.

Der internationale Führerschein werde für Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika benötigt. Auch in Australien und Neuseeland sei dieser ratsam. In den USA komme es auf die Bestimmungen im jeweiligen Bundesstaat an. Für einige osteuropäische Länder werde er vom Auswärtigen Amt empfohlen. In EU-Ländern sei der Internationale Führerschein nicht notwendig. Laut einer Entscheidung der EU-Kommission aus dem Jahr 2000 dürften diese kein zusätzliches Dokument verlangen. Auch in Island, Liechtenstein, Norwegen und in der Schweiz komme man ohne Zusatzdokument aus.

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