Mit dem Moped unterm Eiffelturm
Bild: privat
Mit Simson-Schwalbe und Honda Dax haben sich Rheda-Wiedenbrücker auf den Weg nach Paris gemacht.
Bild: privat

 Schon früh morgens starten die Mopedfreunde mit ihren betagten Schätzchen – die Honda Dax hat 40 Jahre und die Simson-Schwalbe 30 Jahre auf dem Buckel – Richtung Seine-Metropole. Zum Auftakt läuft für die beiden alles wie geschmiert: 310 Kilometer meistern sie auf ihrer ersten Etappe. Sogar der Zwischenstopp mit „Manta-Platte“ in Köln wird wie geplant eingehalten. Nach einer Nacht auf einem belgischen Campingplatz gestaltet sich am nächsten Tag die Suche nach einer Schlafstelle als etwas schwieriger. „Wir fahren so lange, bis wir einen Campingplatz finden“, lautet die Devise, doch sie stellen fest: „Hier ist nur Pampa“. So bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als auf einer Wiese ihr Zelt aufzuschlagen.

Chaotischer Großstadtverkehr

Mit der beschaulichen Ruhe ist es spätestens am folgenden Tag vorbei. Zwei Stunden kämpfen sich die Emsstädter durch die Pariser Vororte. Schrecklich chaotisch sind die Verkehrsverhältnisse für die Urlauber aus dem ländlichen Westfalen. Langsam, „weil es so voll ist“, schlängeln sie sich durch den lauten Großstadtverkehr. Auf ihrem Weg nach Paris erleben Honda Dax, Simson-Schwalbe und ihre Fahrer auch den größten Kreisverkehr ihres bisherigen Daseins. Dreispurig geht’s rund, und Henrik Frerich stellt fest: „Da kann man nur hoffen, dass man irgendwo rauskommt“. Wie gut, dass die abenteuerlustigen Mopedfahrer unterwegs soviel Mut tanken konnten. Motorradfahrer überholen die gemütlich voranzuckelnden Fahrzeuge, hupen und heben anerkennend die Daumen. Sie wissen, welchem Ziel die kleine Honda Dax und das feuerrote DDR-Gefährt entgegenrollen. Schließlich haben die 17-Jährigen eigens Schilder angefertigt und diese hinten an ihren Fahrzeugen angebracht. „On The Way To Paris!“ steht dort zu lesen. Auch an der Imbissbude erregen sie Aufmerksamkeit und Staunen ob des gewagten Vorhabens.

Notre-Dame und Eiffelturm

Am dritten Tag endlich können Alexander Klasmeier und Henrik Frerich sich auf weichen Matratzen im Pariser Appartement ausruhen. Vorbei sind die Zeiten der Isomatte für drei Nächte in der französischen Hauptstadt. Lange ausschlafen, durch die Stadt bummeln, Straßenmusikern abends am Wasser zuhören, die Kathedrale Notre-Dame, die nur einen Kilometer weit vom Quartier entfernt ist, besuchen – so genießen die Rheda-Wiedenbrücker Paris. An ihren zweirädrigen Oldtimern jedoch ist die mehr als 600 Kilometer lange Strecke nicht spurlos vorübergegangen. Der Kettenkasten der Simson-Schwalbe reißt. Zunehmend Schwierigkeiten bereitet die Honda Dax. Sie wird langsamer, bockt, hat immer wieder Aussetzer, und irgendwann lassen sich die Gänge nicht mehr richtig schalten. Bis zum Eiffelturm schafft sie es noch.  „Das könnte Schwierigkeiten geben“, schwant ihm mit Blick auf die Rückreise. Er behält Recht.

Honda Dax streikt

90 Kilometer meistern die alten Schätzchen auf der Heimreise noch, als die Honda Dax langsam aber sicher streikt. Henrik Frerich versucht sein Bestes, bedient den Kickstarter, da passiert’s: Es knallt, und schwarzer Rauch steigt auf. Jetzt kann nur noch ein Anruf Zuhause helfen. Henriks alarmierter Vater macht sich um 21 Uhr mit einem Transporter auf den Weg, um die ausgebremsten Mopedfahrer abzuholen. Stunden später fährt der Vater vor. Einsteigen bitte, Mopeds mit Spanngurten festzurren und zurück in die Heimat. Unterwegs schlafen die müden Abenteurer. „Es war ein einmaliges Erlebnis“, blickt Henrik Frerich auf den spannenden Trip zurück, der die Freunde um manche Erfahrung bereichert hat. „Die Schwalbe lief wie ’ne Eins“, ist Alexander Klasmeier trotz des kleinen Zwischenfalls mit seiner Schwalbe zufrieden. Er hat bereits ein neues Ziel vor Augen: „Ich will noch nach London.“

SOCIAL BOOKMARKS