Move auf Anhieb zweitstärkste Kraft
Foto: Werneke
Freudentaumel: Gudrun Bauer (Mitte) war am Sonntagabend der gefeierte Star der neu gegründeten Wählergemeinschaft Move. Sie gewann ihren Wahlkreis in der Wiedenbrücker Altstadt direkt. Aber auch darüber hinaus hatten die „Mover“ um Gründer Thomas Theilmeier-Aldehoff (r.) allen Grund zum Jubeln. Die Gruppierung wurde mit 21,87 Prozent und elf Ratssitzen zweitstärkste Kraft in der Emsstadt.
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So schwach die CDU bei der Ratswahl abgeschnitten hat, so unanfechtbar souverän hat Theo Mettenborg das Rennen um das Bürgermeisteramt für sich entschieden. Der Amtsinhaber und CDU-Kandidat erreichte mit 61,22 Prozent mehr als drei Fünftel der Stimmen. Seine beiden Herausforderinnen Sonja von Zons (Bündnisgrüne) und Brigitte Frisch-Linnhoff (SPD) lagen mit 20,82 beziehungsweise 17,96 Prozent annähernd gleich auf.

Versteinerte Mienen bei der CDU

Mit versteinerten Mienen verfolgten die CDU-Vertreter am Sonntag in der Wahllobby in der Stadthalle die Ergebnisse, die nach und nach aus den einzelnen Stimmbezirken eintrudelten. Die sahen für die Christdemokraten ganz anders aus als noch vor sechs Jahren, als sie alle 19 Wahlbezirke direkt holten und über die Reserveliste sogar ein weiteres Ratsmitglied in das Stadtparlament einzog.

Von der 2014 wieder gewonnenen absoluten Mehrheit sind die Konservativen mit 31,42 Prozent (17 Sitze) inzwischen meilenweit entfernt. Manche sicher geglaubte Wahlbezirke fielen an andere Parteien: Den hart umkämpften Wahlkreis in der Wiedenbrücker Altstadt gewann beispielsweise Gudrun Bauer für Move knapp vor dem bisherigen Vorsitzenden des Bauausschusses, Georg Effertz.

Freudentränen bei den Grünen

Jubel und Freudentränen am Sonntagabend bei den Grünen: Die Umweltpartei errang erstmals in ihrer Geschichte zwei Ratswahlkreise direkt. Mit 19,96 Prozent (zehn Sitze) stellt sie nun die drittstärkste Fraktion. Noch mehr Grund zum Feiern hatte die neue Wählergemeinschaft Move. Sie holte einen Wahlbezirk direkt und kann darüber hinaus mit elf Ratssitzen der Gesamtstimmen deutlich mehr als einen Achtungserfolg verbuchen. Im künftigen Stadtrat ist sie die zweitstärkste Kraft nach der CDU.

FDP und FWG legen zu

Zufrieden sein kann auch die FWG als die ältere der beiden Wählergemeinschaften. Die Partei, die bislang allein von Dirk Kamin im Rat vertreten wurde, hat ihr Ergebnis auf 4,20 Prozent (zwei Sitze) verbessert. Die FDP steigerte sich leicht auf 6,85 Prozent (vier Sitze). Im Sturzflug befindet sich die SPD: Sie fuhr mit 11,15 Prozent (sechs Sitze) einen historischen Tiefstwert ein. Mit je einem Sitz im Stadtrat vertreten sind die AfD sowie die Linkspartei.

Bürgermeisterkandidaten: (v.l.) Sonja von Zons, Theo Mettenborg und Brigitte Frisch-Linnhoff.
„Das ist überwältigend, damit hätten wir im Traum nicht gerechnet“: Move-Kandidat Hermann-Josef Pierenkemper bringt die Gemütslage von ihm und seinen Parteikollegen am Sonntagabend ziemlich treffend auf den Punkt: Aus dem Stand zweitstärkste Kraft zu werden, das hätten selbst die optimistischsten Anhänger der neuen Bürgerbewegung nicht zu hoffen gewagt.

„Bürgerferne Politik abgestraft“

Vorsitzender Thomas Theilmeier-Aldehoff sieht in dem guten Abschneiden von Move „eine Bestätigung für unseren auf Sachthemen orientierten Wahlkampf“. Man habe es geschafft, bei kritischen Themen wie der Kolpingstraßen-Nachnutzung sowie der stadtweiten Wohnraumnot Flagge zu zeigen. Der Erfolg von Move geht laut Theilmeier aber auch auf Fehler der CDU zurück: „Die bisherige Mehrheitsfraktion wurde für ihre bürgerferne Politik abgestraft.“

Grüne sehen „Zeitenwende“

Volker Brüggenjürgen (Grüne) spricht mit Blick auf das Wahlergebnis von einer Zeitenwende. „Wenn CDU und SPD zusammen fast 30 Prozent ihrer Stimmen verlieren, kann man mit Fug und Recht von einem historisch völlig untypischen Wahlausgang in unserer Stadt sprechen.“ Dass grüne Ratskandidaten Wahlkreise direkt holen, sei noch 2014 unvorstellbar gewesen.

Henkenjohann gibt sich geläutert

Geläutert gibt sich CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Henkenjohann. „Das ist kein schöner Tag für uns“, sagt er und stellt ohne Umschweife fest, dass seine Partei ihr Wahlziel, alle 19 Ratsbezirke direkt zu holen, verfehlt habe. „In den vergangenen Wochen ist uns klar geworden, dass wir an Move deutlich Stimmen verlieren werden“, sagte Henkenjohann. Ein Anlass zum Politikwechsel sei das für seine Partei aber nicht gewesen. „Man darf nicht alle Überzeugungen über Bord werfen, um Wählerstimmen zu ergattern.“

Patrick Büker (FDP) sieht das eher schwache Ergebnis seiner Partei in der zusätzlichen Konkurrenz aus dem bürgerlichen Lager begründet. Auf Kreisebene, wo Move nicht angetreten sei, hätten die Rheda-Wiedenbrücker Liberalen besser abgeschnitten. Trotzdem habe die Partei ihr Ziel, vier Ratssitze zu holen, erreicht.

SPD erreicht Tiefststand

Die SPD, die fast die Hälfte ihrer Ratssitze eingebüßt hat, wirft der Bürgerbewegung Move Populismus vor. Dass eine Partei ohne politische Inhalte ein solch hohes Ergebnis eingefahren habe, ist für Michaela Koroch erstaunlich. Jetzt stünde Move in der Pflicht und müsse liefern. Ihr schlechtes Abschneiden erklärt sich die SPD auch mit dem allgemeinen schwachen Bundestrend.

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