Musik in Jahrtausendsprüngen
Bild: Kreyer
Mit Klangvielfalt und Ausdrucksstärke begeisterten Percussionist Sebastian Gokus und die Sängerinnen von „Canta filia“ die Zuhörer in der St.-Clemens-Kirche Rheda.
Bild: Kreyer

 Als die acht Sängerinnen, unter der Leitung von Barbara Grohmann-Kraaz, Verse aus dem „Delphischen Hymnus“ anstimmten, erfasste Stille die voll besetzte Kirche. Zwei Jahrtausende alt und fern heutiger Hörgewohnheiten, geht von dieser Musik Faszination aus. Ähnliches erlebte der Zuhörer mit Magister Perotins mehrstimmigem liturgischem Werk, dem Organum quadruplum „Sederunt“. Schon zu Lebzeiten im 12. Jahrhundert ein bewunderter Komponist, lässt er die Solosängerinnen engelgleich ein kunstvolles Gewebe der drei Oberstimmen über einem Cantus firmus entwickeln. Dass die berühmteste Frau des Mittelalters nicht nur Kräuter sammelte und Visionen empfing, ist heute kein Geheimnis. Nicht Kunst, sondern Lobgesang Gottes war die Musik der Hildegard von Bingen. Geschickt in Dialogen aufbereitet, gelang dem Ensemble eine einfühlsame Ausdeutung ihrer geistlichen Gesänge. Die intensive Auseinandersetzung mit den Texten war unüberhörbar. In John Dunstables „Magnificat“ und Forests „Qualis est dilectis“ entfaltete sich die prachtvolle Mehrstimmigkeit in den mystischen Gesängen des späten Mittelalters. Voller Intensität kosteten die Sängerinnen den Wechsel von Soloparts und expressivem Ensemblegesang aus.

Solistische Akzente gesetzt

Welch ungeheurer Herausforderung sich das Vokalensemble und der Perkussionist Sebastian Gokus mit Jean Pierre Leguays „Chant“ stellten, verdiente höchste Anerkennung. Der von innerer Poesie geprägten Liebeslyrik aus dem Hohelied Salomos trat musikalisch kein Schönklang entgegen. Die Komposition lebte vom Kontrast und den kongenial eingesetzten Stimmen der Sängerinnen, die alle Register zogen: mal sprechend, rufend, bis in höchsten Tönen singend. Konzentriert setzte Gokus solistische Akzente oder war klangsinnlicher Begleiter in einem bemerkenswert virtuosen Zusammenspiel. Als Solist überzeugte Sebastian Gokus mit zwei zeitgenössischen Kompositionen für Marimbaphon von Eric Sammut und Paul Smadbeck. Bewundernswert war die grenzenlose Klangvielfalt in einer fast kosmisch wirkenden Harmonie.

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