Mutmaßlicher Vergewaltiger bleibt frei

Das Schöffengericht am Amtsgericht Gütersloh hat einen 41-Jährigen aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Mann war angeklagt gewesen, eine 18-Jährige vergewaltigt zu haben.

„Im Zweifel für den Angeklagten“, stellte die Richterin nach dem zweiten Verhandlungstag fest. Die Befragung der Zeugen hatte viel Raum für Spekulationen um die tatsächlichen Geschehnisse gelassen. „Das waren viele Kanns und Solls“, resümierte die ernüchterte Richterin.

Dass etwas in dieser Nacht im September 2015 nicht stimmte, war allen Beteiligten schnell klar. Unstrittig war, dass der beschuldigte 41-Jährige im Anschluss an eine Feier sexuelle Handlungen an der 18-jährigen Frau aus Rheda-Wiedenbrück ausübte („Die Glocke“ berichtete), während weitere Personen im Raum waren.

Erinnerungs- und Wahrnehmungsfähigkeiten durch Alkoholkonsum stark beeinträchtigt

Offen blieb die Frage, ob er dies im Einvernehmen tat oder eben nicht. Die miteinander flüchtig bekannten Personen, die gemeinsam in einem Wohnzimmer auf dem Sofa übernachteten, schilderten den Hergang widersprüchlich. Eine Zeugin wollte wohl die Beziehung zu ihrem Freund schützen und sagte fälschlicherweise aus, gar nicht im Raum übernachtet zu haben. Deshalb legte selbst die Staatsanwältin einen Freispruch nahe.

„Das Einzige, was wir sicher feststellen können, ist, dass er sie penetriert hat“, sagte sie. Aufgrund des Alkoholkonsums gehe sie aber davon aus, dass die Erinnerungs- und Wahrnehmungsfähigkeit „erheblich eingeschränkt“ war. „Wir haben es mit einer Aussage-gegen-Aussage-Situation zu tun“, stellte sie fest.

Opfer hat nicht mehr zur Aufklärung beitragen können

So sah es auch der Verteidiger: Was tatsächlich passiert sei, wisse kein Mensch – auch nicht das vermeintliche Opfer. „Mein Mandant hat aber immer gesagt, dass er nichts gegen ihren Willen getan hat.“ Der Vorwurf sei „hanebüchen“, machte der Verteidiger deutlich. Zumal das mutmaßliche Opfer bei seiner Vernehmung schnell bockig geantwortet habe, als unangenehme Fragen aufkamen. „Sie hat dann nicht mehr zur Aufklärung beigetragen, sondern in den Abwehrmodus umgeschaltet.“

Dadurch habe man „eine Zeugin, die sich nicht erinnern kann, weil sie einen Filmriss hat“. Die Nebenklägerin forderte eine Gefängnisstrafe nicht unter zwei Jahren: „Er hat mindestens billigend in Kauf genommen, dass sie geschlafen hat und nicht widerstandsfähig war.“ Stattdessen sei die einzige Aussage, die einem Angeklagte bliebe, wenn er anhand von DNA-Spuren überführt werde: „Sie wollte es ja.“

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