Nach 60 Jahren bei Christkindllauf dabei
Bild: privat
Schon in jungen Jahren ist Lutz Zielicke viel gelaufen. Mit seinen 75 Jahren schnürt er noch heute gern die Sportschuhe. Für den Christkindllauf kommt der in Landshut lebende Rentner für drei Tage zurück nach Wiedenbrück – den Ort, in dem er in seiner Jugend während seiner Ausbildungszeit lebte.
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Am  Freitag, 1. Dezember,  geht der 75-Jährige mit der Nummer 561 beim Christkindllauf an den Start. Auch wenn es lediglich drei Jahre waren und diese schon lang zurückliegen: Lutz Zielicke denkt gern an die Tage in Wiedenbrück zurück – eine prägende Zeit für ihn, wie er sagt. „Für meine Persönlichkeitsbildung war es sehr von Vorteil“, betont er. Fernab von seinen Eltern war der gebürtige Berliner auf sich allein gestellt, konnte das tun, wonach ihm war. In einem Jugendheim lebte er mit anderen jungen Männern zusammen und verbrachte auch seine Freizeit mit ihnen. „Damals habe ich das gar nicht so gemerkt. Aber im Nachhinein weiß ich, was mir gefehlt hat: die Verbindung zu Freunden und Familie“, berichtet er. Sportlich war Zielicke schon damals. Er ging schwimmen, oftmals laufen, erwarb mit 16 Jahren das Sportabzeichen – die sportliche Leidenschaft hält bis heute.

Jeden Tag sportlich

Nach seiner dreijährigen Ausbildung zum Jungwerker bei der Bundesbahn ging Zielicke für einige Jahre zur Bundeswehr. Anschließend ließ er sich zum Programmierer ausbilden. Bis zur Rente war er bei der Sparkasse Landshut tätig. In der niederbayerischen Stadt lebt der 75-Jährige auch heute noch – und geht weiterhin seinem Hobby nach. Jeden Tag läuft der Rentner rund 40 Minuten, mal um die sechs Kilometer, mal mehr. Und wenn es einmal zwickt oder drückt, dann steigt er aufs Rad oder geht schwimmen – Langeweile gibt es nicht. Jetzt freut sich der 75-Jährige auf den Lauf in seiner damaligen Heimat auf Zeit. Die kühle Luft aus dem Norden macht ihm in Niederbayern oft zu schaffen. „Wenn ich mir den Wetterbericht anschaue, werde ich damit heute keine Probleme haben“, zeigt sich Zielicke optimistisch. Ihm ist aber auch bewusst: „In meinem Alter hat man nicht mehr viele Chancen zu gewinnen. Da freut man sich über jeden Schritt, den man machen kann“, sagt er und lacht.

Stadt erkunden

60 Jahre ist es her, dass Zielicke nach Wiedenbrück zog – für ihn Grund genug, für ein kurzes Wiedersehen zurückzukehren. Nutzen will der Rentner seinen dreitägigen Aufenthalt nun nicht nur für den Christkindllauf. Er plant auch, sich die Stadt anzusehen und das, was aus ihr geworden ist. Mit dem Fahrrad will er all seine Erinnerungen ansteuern. Ganz oben auf der Liste: der alte Bahnhof und das Heim, in dem er gelebt hat. Außerdem steht ein Treffen mit einem seiner ehemaligen Mitbewohner an.

Gutes Gefühl zu gewinnen

44 Trainingsjahre liegen mittlerweile hinter Lutz Zielicke. Für Arbeit und Familie musste er ab und an pausieren. Erfolge konnte er in seiner sportlichen Laufbahn einige sammeln: Bei Landesmeisterschaften schaffte es Zielicke auf den zweiten Platz, mit Vereinskameraden konnte er sogar ganz oben auf dem Treppchen stehen. Im Triathlon reichte es bei Deutschen Meisterschaften für den ersten Platz. Mit seinen 75 Jahren lässt es der Rentner mittlerweile langsamer angehen. Der Spaß steht im Vordergrund. Dennoch gibt er zu: „Vorne weg zu laufen und zu gewinnen – das ist schon ein tolles Gefühl.“ Und warum fiel die Entscheidung gerade auf diese Sportart? „Wir waren schon als Kinder viel unterwegs, sind lange Wege zum Spielen und zur Schule gelaufen“, erinnert sich der 75-Jährige. Der Körper habe sich seiner Meinung nach mit der Zeit daran gewöhnt. Und: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich ein bisschen besser bin als die anderen.“ Der Sportsgeist war geweckt.

Einen großen Vorteil sieht Zielicke zudem in der Flexibilität. „Ich kann loslaufen, wann ich will, wohin ich will und brauche keinen Trainingspartner“, stellt er fest. Die Anfahrt zu einer Halle bleibe ihm somit erspart. „Ich freue mich jedesmal, wenn ich vom Training zurückkomme“, betont er. Wenn er nicht läuft, schwimmt oder radelt, tobt sich der Rentner auch gern am Computer aus. Seine damalige Tätigkeit als Programmierer kommt ihm dabei sehr entgegen. „Und die Tasten auf der Fernbedienung kann ich noch nicht auswendig“, scherzt Zielicke.

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