„Oma Wally“ schreckt die Männerwelt
Bild: Daub
Vom Fleck weg sympathisch: Kabarettistin Simone Fleck (l.)
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Sie hat ihn auf dem Kieker und schon mehrmals wegen der Rauten angemeckert. Dem Herrn ist das offensichtlich peinlich. Der Saal wiehert. Die Weiblichkeit überwiegt klar in der Aula des Einstein-Gymnasiums Rheda. Die meisten sind Fans der Alten im schlabberigen Mantel alias Simone Fleck, Kabarettistin aus Dortmund. Am Freitagabend war es ihr vierter Auftritt in der Doppelstadt.

Coole Sprüche

Wer sie nicht kennt, hat vielleicht etwas versäumt: das angenehme Genießen von coolen Sprüchen über Männerwelten und Körperwelken, Slogans wie „Lieber Falten als konturlos“ und „Lieber gut geschminkt als vom Leben gezeichnet“, über „erotische Tipps für frühverrentete Paare“, über „Henne sucht Hengst“-Beziehungen ohne Bauernhofattitüden. Und natürlich „Oma Wally“. Die brummelnde Krückstockschwingerin führt vor, wie sie einen ins Wohnheim nach Hause kommenden leicht benebelten Mitbewohner so mit der Taschenlampe erschreckt, dass ihre dritten Zähne aufleuchten. Sie gesteht dabei ein, dass „die Frau ab einem bestimmten Alter rein äußerlich den Mann nur noch erschrecken kann.“ Zwei Sekunden Pause, in denen sie Frauen im Publikum angrinst. Dann schreit Oma auf: „Aber genau das macht Spaß!“ Und bricht in ein Lachen aus, das einem Kakadu zur Ehre reichen würde.

Verwandlungsfreudig und aktuell

Eigentlich ist sie graduierte Designerin und Diplompädagogin, aber seit 25 Jahren steht die grazile Rothaarige ihre Frau auf den Bühnenbrettern, schlüpft mit geringem textilen Aufwand in verschiedene Rollen; verwandlungsfreudig bezieht sie das Publikum in ihre Sketche ein. Nimmt Aktuelles ins Visier, so die Fernsehsendung „Schwiegertochter gesucht“. Kommentar: „Da findet man nur Männer aus mütterlicher Käfighaltung.“ Die Kabarettistin Simone Fleck hat inzwischen 16 Abendprogramme und diverse Auftragsproduktionen verfasst. Was „Oma Wally“ oder „Nicole vom Nagelstudio“ oder Charminggirl Simone gleich vom Fleck weg sympathisch macht, ist ihr problemlos gelungenes Geplauder. Bunt und weit über der Gürtellinie angesiedelt – davon könnten sich applauslüsterne Fäkalrhetoriker der Kabarettistenbranche ein Stück abgucken.

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