Orchester weiht neue Stadthalle ein
Bild: Dr. Kreyer
Musikalischer Ohrenschmaus: Die Neue Philharmonie Westfalen weihte mit dem spannenden Programm „Schicksal“ die neue Stadthalle an der Hauptstraße in Rheda-Wiedenbrück ein. Das Eröffnungskonzert war nicht nur gut besucht, sondern begeisterte sowohl das Publikum als auch die Musiker.
Bild: Dr. Kreyer

Mit der Neuen Philharmonie Westfalen war ein namhaftes heimisches Orchester eingeladen, das sich mit einem spannenden Programm unter dem Thema „Schicksal“ präsentierte. Der Begrüßung durch Bürgermeister Theo Mettenborg schloss sich Peter Tschaikowskis symphonische Fantasie „Fatum“ an. Selbst ohne die Aussagen der Zeitzeugen zu kennen, vernimmt man die Schwere des Werks, das autobiografische Züge trägt. Verhängnisvoll in einer Beziehung verstrickt, donnern die Hörner schicksalsträchtig zu Beginn. In wirbelnden Figuren und einer Kette an Tonleitern zeigt sich dann das Ende.

Bläser treffen auf wohlklingende Harfe

Grandios gelingt es Roland Kluttig, von seinen Musikern das Ungestüme und Spontane einzufordern. Dynamische Spitzen in den Bläsern übertönen den besänftigenden Wohlklang der Harfe. Mit Leos Janaceks Suite aus der Oper „Osud“ (Schicksal) erklang eine seltene, aber ausgesprochen spannende Rarität. Unvollendet blieb die, nach dem Tod seiner Tochter geschriebene, Oper mit den Worten des Komponisten „Der letzte Akt, der ist in Gottes Hand und wird dort bleiben“.

Wenig von der traurigen Stimmung war in der Suite zu vernehmen, vielmehr beeindruckte eine Collage von unfassbarer Schönheit. Fühlte man sich in den zärtlichen Passagen eingehüllt vom Streicherklang, dann war im ekstatischen, lautstarken, vom Schlagwerk begleiteten Teil eine Eigenakustik der Bühne unüberhörbar. Und doch müssen gerechterweise der insgesamt transparente Klang und die gute Abbildung einzelner Instrumente hervorgehoben werden.

Einweihung erfährt großen Beifall

Der bekannte Höhepunkt am Schluss: Tatatataaa – es ist das vermutlich bekannteste und prägnanteste Motiv, mit dem ein Musikwerk beginnt: Ludwig van Beethovens Fünfte, die „Schicksalssinfonie“. Ein Motiv, vielmehr ein Rhythmus, aus dem sich ein aufregender musikalischer Kosmos über vier Sätze entwickelt. Für den ersten Satz legt Beethoven das satte Tempo „Allegro con brio“ fest. Butterzart und mit reichlich Empathie lässt das Orchester das fast gespenstische „Andante con moto“ folgen.

Vergessen ist das hörbare Mitschwingen des Bühnenbodens. Keinen Augenblick langweilig, schließen sich zwei Allegri an, wovon im letzteren der triumphale Marsch mit drei Posaunen und Pauken hervorsticht. Wollte Beethoven so dem Schicksal, seiner nahenden Taubheit, trotzen? Großer Beifall für eine anspruchsvolle und würdige Einweihung der neuen Stadthalle als Konzertsaal.

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