Ost-West-Achse im Wandel der Zeit
Bild: Dresmann
Zahlreiche Oldtimer waren am Sonntag im Rahmen des Geschichtsfests des Heimatvereins Rheda zu bestaunen. Auch historische Roller wie diese „Pättkenschnüwer“ der Hersteller Hercules und Miele nahmen an der Ausfahrt teil.  
Bild: Dresmann

Bereits am Freitagmorgen war das Geschichtsfest mit der Vernissage von „80 Jahre Autobahn in Rheda-Wiedenbrück“ eröffnet worden. Rhedas Heimatvereinsvorsitzender Prof. Dr. Ernst Albien freute sich, nicht nur Bürgermeister Theo Mettenborg bei der Eröffnung begrüßen zu dürfen, sondern auch Michael Groschek. Groschek war in der letzten Legislaturperiode Verkehrsminister in Nordrhein-Westfalen und führte bis vor kurzem als Vorsitzender die SPD in NRW.

An Anfänge erinnert

Der Oberhausener lobte die Heimatvereine für diese Ausstellung, „denn so wird die Autobahn zum sprichwörtlichen Denkmal. Denn es wird über sie gesprochen“, unterstrich Groschek, der es nicht versäumte, Kritik am derzeitigen Zustand der Verkehrsadern im Westen zu üben. „Fast jede zweite Brücke in NRW muss ersetzt werden“, mahnte Groschek. Er erinnerte aber auch an die Anfänge und wusste zu berichten, dass sich einst während des Baus der A 2 eine Bürgerinitiative in Rheda-Wiedenbrück um die Brücken gekümmert habe. Auch deshalb seien viele Brücken im Gebiet der heutigen Doppelstadt aus Naturstein gefertigt worden.

Später kam Groschek mit den Besuchern der Ausstellungseröffnung ins Gespräch. Viele hatten Geschichten zu erzählen. So auch Frank Sommer. Als Junge erlebte er den Bau direkt vor seinem Elternhaus mit. „Wir sind als Kinder immer mit der Lorenbahn mitgefahren“, schilderte er seine Kindheitserlebnisse. Nicht nur die Gleise für die kleinen Bahnen, die den Sand für den Bau transportierten, sondern gleich ein ganzes Schienennetz sind während der Bauzeit der ehemaligen Reichsautobahn errichtet worden. Das zeigen die Bilder der Ausstellung genauso eindrucksvoll wie den Wandel, den die A 2 zwischen ihrer Eröffnung vor 80 Jahren über die 1960er- und 1970er-Jahre bis heute mitgemacht hat.

Dank gilt Jochen Sänger

Gesammelt hat die Fotos Jochen Sänger. Krankheitsbedingt verhindert, konnte er der Eröffnung nicht beiwohnen. Stattdessen nahmen Sohn Marco und Ehefrau Edeltraud eine ganze Reihe von Danksagungen aus dem Rathaus entgegen. Unterstützt wurden Sänger und der Heimatverein Rheda bei der Planung und Durchführung der informativen Ausstellung vom Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg und der Flora-Westfalica-GmbH.

Am Sonntagmorgen fiel im Rahmen des Geschichtsfests der Startschuss für eine Oldtimerausfahrt, deren Zwischenziel ebenfalls auf der Autobahn zwei lag. Mehr als 20 historische Pkw, Bullis, Motorräder und „Pättkenschnüwer“ fanden sich dazu auf dem Parkdeck am Domhof ein. In enger Zusammenarbeit hatten der Heimatverein Rheda und der Motorsportclub Wiedenbrück (MSC) diese Premiere auf die Beine gestellt. „Autos ziehen einfach immer. Es gibt viele Menschen, die sich für alte Fahrzeuge interessieren“, sagte Heimatvereinsmitglied Heinz Koch zur Idee.

Besonderes Etappenziel

Als Etappenziel, bevor es wieder zurück zum Domhof ging, hatten Heimatverein und MSC den Autobahnrastplatz Vellern ausgemacht. Geschichtliche Besonderheit dieses Orts ist die dort zur Schau gestellte weltweit erste Spannbetonbrücke. „Viele mögen das vielleicht belächeln, aber in Expertenkreisen ist dieses Bauwerk hoch angesehen“, betonte Heimatvereinsvorsitzender Prof. Dr. Ernst Albien, der selbst mit seinem alten Mercedes an der Ausfahrt teilnahm. Der Heimatvereinsvorsitzende zeigte sich genauso wie seine Vorstandskollegen mit der Teilnehmerzahl der Premierenausfahrt „hoch zufrieden“. Wieder angekommen am Domhof in Rheda, wurde noch der Sieger der geschichtsträchtigen Rundtour gekürt. Denn unterwegs galt es für die Fahrer und Beifahrer, einige Wissensfragen zum Thema zu beantworten.

Autobahn teilt Stadt und Straßen

Viel Wissen brachten auch die Teilnehmer eines Sparziergangs im Rahmen des dreitägigen Geschichtsfests mit, der am Samstag bei bestem Wanderwetter entlang der A 2 führte. Martin Wedeking leitete den Gang, an dem zahlreiche geschichtsinteressierte Bürger teilgenommen hatten. „Interessant war beispielsweise, den Verlauf der Rhedaer Wege zu sehen“, blickte das Heimatvereinsmitglied am Tag darauf auf den Programmpunkt zurück, der im wahrsten Wortsinn bewegte Geschichte näherbrachte. Martin Wedeking verwies in seinen Ausführungen auf einige Straßen in der ehemaligen Fürstenstadt, die durch den Bau der Autobahn vor acht Jahrzehnten einfach abgeschnitten wurden, aber lange Zeit auf der anderen Seite der Trasse weiterhin noch den gleichen Namen trugen. Als Beispiele nannte er die Straßen Am Rott und die Bismarkstraße. Zur Freude des gastgebenden Heimatvereins Rheda steuerten auch bei der zweiten von insgesamt drei Veranstaltungen zahlreiche Teilnehmer eigene Geschichten und Erinnerungen bei, die sie mit „ihrer“ Autobahn 2 verbinden.

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