Polin muss sieben Jahre hinter Gitter
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Eine 48-jährige polnische Arbeiterin, die in Rheda-Wiedenbrück ihren Lebensgefährten erstochen haben soll, muss für mehr als sieben Jahre ins Gefängnis.
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Die zehnte Strafkammer des Landgerichts Bielefeld sprach am Mittwoch eine Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten wegen Totschlags in minder schwerem Fall aus.

Mit dem Urteil ging das Richtergremium über die Forderung der Staatsanwaltschaft – sechs Jahre und sechs Monate wegen bedingt vorsätzlicher Tötung – hinaus. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, dass die Täterin ein nagelneues Ausbeinmesser, ihr Arbeitswerkzeug, aus der Schutzfolie zog und damit auf ihren Partner losging. Wenn sie ihn nur hätte erschrecken wollen, meinte die vorsitzende Richterin, hätte sie das Messer in der Folie gelassen. Auch die Staatsanwältin und ein Nebenkläger, der Angehörige des Opfers vertrat, sahen den Vorsatz als Ergebnis der Beweisaufnahme als gegeben an. Zwar habe die 48-Jährige unter Alkoholeinfluss spontan agiert, aber „den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen“.

Es sei nicht an der Aussage einer Sachverständigen des Instituts für Rechtsmedizin Münster zu zweifeln, die von einer „typischen Stichverletzung“ in die linke Brusthälfte mit einem von oben nach unten „mit Wucht geführten Stich“ sprach. Eben damit sei der Vorsatz, mit dem Messer zu verletzen und nicht nur zu erschrecken, wie die Täterin behauptete, nachzuweisen.

Strafverteidiger Martin Mauntel sprach von einer fahrlässigen Körperverletzung durch seine Mandantin: „Niemand von den beiden Tatzeugen hat eine ausholende Stichbewegung beobachtet, keiner ging von so etwas aus.“ Als nach verbalen Attacken die betrunkenen Streithähne in ein Bett fielen, rekonstruierte Mauntel in seiner „denkbaren Sachverlaufsanalyse“ , sei das Ausbeinmesser, das die Frau mit ihrer rechten Hand erhob, unbeabsichtigt in den Körper ihres Kontrahenten eingedrungen. Es zerschnitt, wie festgestellt wurde, einen Lungenflügel und die linke Herzkammer. Der Tod des Mannes durch inneres Verbluten trat in Minutenschnelle ein. „Der unglückliche Sturz macht den Stichkanal technisch erklärbar. Es handelt sich um einen Unfall. Eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung hätte ausgereicht“, sagte der Verteidiger.

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