Rabiater Rentner ergaunert Geld
Justizia

Als sie sich weigerte, versuchte er, ihren Jutebeutel mit Wertsachen darin zu entreißen. Doch Zeugen griffen ein. Der Vorfall ereignete sich am 16. September 2013 an der Fontainestraße in Rheda. Beobachtet hatte den Rentner eine 17 Jahre alte Schülerin, die sich gestern das Lob der Richterin erwarb: „Das ist nicht selbstverständlich, was Sie getan haben.“ Die Abiturientin hatte beherzt eingegriffen, als der Täter die Frau an den Schultern packte, sie schüttelte und sie laut aufforderte: „Gib dein Geld her. Ich will das Geld!“

Im Lauf des Verfahrens erklärte der Rentner, der auch nach 50 Jahren in Deutschland schwer zu verstehen und auch des Lesens sowie Schreibens unkundig ist, über seinen Dolmetscher: „Alles falsch.“ Sein Kommentar in Deutsch: „Mamma mia, das stimmt doch alles nicht.“ Mit großer Gestik versuchte er, mit seinen Gebrechen vor dem Kadi zu punkten. Doch das Gremium war primär an seinem Verhalten am Tatort und am Opfer, das ebenfalls Gehprobleme hat, interessiert.

Die Frau: „Das ging so seit 2012. Zweimal in der Woche wollte er Geld, stets habe ich ihm 40 bis 50 Euro abgegeben.“ Er benötige die Euros für seine kranke Tochter, habe er begründet. Die Tochter gibt es jedoch nicht: Der Angeklagte ist Vater von vier Söhnen. Der Frau lauerte er auch in der Nähe der Kreissparkasse auf, sooft sie die Bank verließ. „Heute nicht!“, wehrte sie ihn ab, und gab ihm trotzdem Bares. Am 16. September 2013 wurde er richtig rabiat, als sie sich weigerte, die „gewohnten Beute-Euros“ aus dem Jutebeutel im Fahrradkorb anzueignen.

Die Abiturientin gestern: „In meinem Beisein versuchte er das so nebenbei.“ Ein älterer Mann, fast zeitgleich am Tatort, bestätigte das Geschehen. Ein Psychiater nannte den Täter vermindert schuldfähig. Der Verteidiger bat um eine pekuniäre Ahndung des Delikts. Urteil: 900 Euro Geldstrafe wegen versuchter Erpressung und versuchten Diebstahls.

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