Realschule muss zwölf Kinder abweisen
Bild: Sudbrock
Rechenexempel: 132 Anmeldungen liegen für die fünfte Jahrgangsstufe der Osterrath-Realschule vor. Allerdings können lediglich 120 Jungen und Mädchen aufgenommen werden. Zwölf von ihnen müssen ihre Schullaufbahn in einer anderen Bildungseinrichtung fortsetzen.
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132 der aktuellen Viertklässler hatten sich dazu entschieden, ihre Schullaufbahn vom kommenden Unterrichtsjahr an an der ORS fortzusetzen. Damit lagen die Anmeldezahlen für die Wiedenbrücker Realschule deutlich über den Erwartungen, was zur Bildung einer fünften Eingangsklasse geführt hätte. Das Problem dabei: Laut Ratsbeschluss aus dem Jahr 2012 ist die Zügigkeit der Einrichtung auf vier Parallelklassen beschränkt.

Nur FDP für fünf Eingangsklassen

Um diese Regelung zu umgehen, hatte Schulleiter Olaf Diekwisch um eine Ausnahmegenehmigung gebeten. Seinem Antrag hat der zuständige Ausschuss am Montagabend jedoch nicht stattgegeben. Nur Matthias Hegel (FDP) votierte dafür. Die beiden CDU-Vertreter Ralf Harz und Aysegül Winter beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Sie verließen vorübergehend den Sitzungssaal im Rhedaer Rathaus.

Vor der Entscheidung hatte ORS-Leiter Olaf Diekwisch für die Bildung von fünf statt vier Eingangsklassen zum Schuljahr 2019/20 noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt. Dass die Schule derart hoch bei Kindern und Eltern im Kurs stehe, habe ihn selbst überrascht. „Schließlich haben wir in den vergangenen Monaten nichts anders getan als in den Jahren zuvor.“ Gleichwohl mache es das Kollegium „froh und stolz, dass unsere Arbeit offenbar wertgeschätzt wird“.

Stadt: Ausweichmöglichkeiten vorhanden

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte sich die Stadtverwaltung dafür ausgesprochen, dem Antrag der Realschule nicht Folge zu leisten. Dr. Ina Epkenhans-Behr begründete dies so: 2012 habe der Rat hinsichtlich der Zügigkeiten der weiterführenden Schulen eine Grundsatzentscheidung getroffen – auch deshalb, um den Bestand der damals neu gegründeten Gesamtschule sicherzustellen. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass die zwölf Kinder, die nun keinen Platz in der ORS erhalten, problemlos in einem der beiden Gymnasien beziehungsweise in der Gesamtschule unterkommen können. Fazit: Eine zwingende Notwendigkeit zur Bildung einer weiteren fünften Klasse an der Realschule bestehe also nicht.

Hintergrund

Das Anmeldeverfahren für die vier weiterführenden Bildungseinrichtungen ist abgeschlossen. Gewinner sind die beiden Gymnasien und die Osterrath-Realschule. Die Gesamtschule muss deutliche Einbußen verkraften. Spitzenreiterin bei den Anmeldungen ist mit 132 Kindern die ORS (Vorjahr 97). Sie ist damit die von Eltern und ihren Sprösslingen am stärksten nachgefragte Bildungseinrichtung. Laut Ausschussbeschluss vom Montag darf die Realschule aber keine fünfte Eingangsklasse bilden. Bei vier Klassen beziehungsweise 120 Jungen und Mädchen ist Schluss. Zwölf Kinder, die in einem rechtlich abgesicherten Losverfahren ermittelt werden sollen, müssen demnach nach den Sommerferien auf einer anderen Schule ihre Laufbahn fortsetzen. An zweiter Stelle rangiert bei den Anmeldungen das Rhedaer Einstein-Gymnasium (129 nach 127 im Vorjahr). Erst an dritter Position folgt die Gesamtschule mit 123 Fünftklässlern. 2018 wechselten noch 171 auf die Bildungseinrichtung. Ein deutliches Plus verzeichnet mit 93 Anmeldungen (Vorjahr 72) das Ratsgymnasium Wiedenbrück.

Dieser Argumentation könne die CDU voll und ganz folgen, betonte nach einer Sitzungsunterbrechung Michael Pfläging. „Trotzdem haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

SPD will Rechtssicherheit für Eltern

Ähnlich äußerte sich auch Marco Sänger für die SPD-Fraktion. Bei der Fragestellung gehe es um nicht weniger als die grundsätzliche Ausrichtung der Rheda-Wiedenbrücker Schullandschaft – und diesbezüglich habe der Ausschuss bereits vor Jahren eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. „Wenn wir heute den Antrag der ORS ablehnen, haben die Eltern zumindest Rechtssicherheit, auch wenn der Entschluss bestimmt nicht jedem gefallen wird“, sagte Sänger mit Blick auf die Väter und Mütter der zwölf Kinder, die infolgedessen keinen Platz an der Realschule erhalten werden.

Grüne tragen Entscheidung mit

Den von Verwaltung, CDU und SPD vorgebrachten Gründen könne man sich anschließen, betonte Andreas Hahn für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Zugleich bekräftigte er: „Wir nehmen der ORS nichts weg, wir beschädigen nicht ihren guten Ruf und verschlechtern auch nicht die Rahmenbedingungen. Mit unserer Entscheidung bestätigen wir lediglich die Geschäftsbedingungen, die für unsere weiterführenden Schulen ohnehin seit Jahren gelten.“

Absage an einmalige Ausnahme

Matthias Hegel (FDP) verstand die ganze Aufregung nicht. Es gehe lediglich darum, einmalig die Stellschrauben anzupassen, damit das vorgehaltene Bildungssystem auch in diesem Jahr dem Elternwillen Rechnung trägt. „Mit einer zusätzlichen Eingangsklasse an der ORS zum kommenden Unterrichtsjahr würden wir keine Riesenänderung herbeiführen“, sagte er.

Sein Appell blieb von der Ausschussmehrheit ebenso ungehört wie die Feststellung Olaf Diekwischs: „Mit einer einmaligen Ausnahme würde dem durch das Anmeldeverfahren gezeigten Elternwillen entsprochen.“

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