Reha beginnt schon im Krankenhaus
Bild: Werneke
In die Digitalisierung will das St.-Vinzenz-Hospital in Wiedenbrück weiter investieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Das Bild zeigt Geschäftsführer Dr. Georg Rüter, den Kaufmännischen Leiter Wolfgang Bien, Pflegedienstleiter Siegmund Neu sowie Chefarzt Dr. Rainer Schnippe (v. l.) mit einer digitalen Einheit, über die elektronisch Patientendaten verfügbar sind. Am Freitag stellten sie im Rahmen eines Pressegesprächs den Jahresbericht 2018 vor.
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Zur KHO gehören das hiesige Krankenhaus sowie eins in Bielefeld und eins in Herford. Um den Erfordernissen einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft Rechnung zu tragen, hat das Hospital zum Beispiel in eine Station für geriatrische Frührehabilitation Geld und Personal investiert. Sie existiert seit vorigem Oktober und steht unter der ärztlichen Führung von Dr. Olga Fleiter, Leitende Oberärztin Geriatrie sowie Fachärztin für Innere Medizin, Geriatrie, Palliativmedizin und Ernährungsmedizin.

Neue Station für geriatrische Frührehabilitation

In der geriatrischen Frührehabilitation stehen akut stationär behandelte Senioren von Anfang an unter der Obhut von Fachleuten für ältere Menschen. „Mehr Betreuung, weniger Ortswechsel, heimatnah und ein bürokratisch schlankeres Verfahren“, zählte Chefarzt Dr. Rainer Schnippe während des Pressegesprächs am Freitag damit bezweckte Vorteile auf. Die Neuerung soll Patienten, denkbar wäre etwa eine 90-jährige Hüftoperierte, einen womöglich mehrwöchigen Aufenthalt in einer Rehaeinrichtung ersparen. „Hochbetagte mit Demenz können Sie kaum in eine normale Reha schicken“, betonte Dr. Schnippe und fügte hinzu: „Diese Gruppe wird größer.“

Wie es am Freitag hieß, werde eine Aufenthaltsdauer von im Schnitt 18 Tagen angestrebt. Auch „Rooming-in“, also die Mitunterbringung von Angehörigen, sei möglich. In die altersgerecht eingerichtete Station drei seien bisher rund 800 000 Euro geflossen, berichtete Dr. Rüter. Mit dem Erreichen des Endausbaus sollen 22 Plätze zur Verfügung stehen. Vorgesehen ist es zum Beispiel noch, dort zusätzlich physiotherapeutische Möglichkeiten zu schaffen, denn die Physioabteilung befindet sich im Kellergeschoss.

Notfallambulanz gut angenommen

Sehr gut angenommen worden sei laut Dr. Rüter die stationäre und ambulante diabetologisch-endokrinologische Versorgung durch den neuen Chefarzt Dr. Daniel Winter, der seit vorigem Juli am Wiedenbrücker Krankenhaus tätig ist. Seither sind die beiden Chefärzte Dr. Rainer Schnippe (Gastroenterologie und Kardiologie) und Dr. Winter (Diabetologie und Endokrinologie) für die allgemeininternistische Versorgung des gesamten Krankenhauses samt der Notfallaufnahme verantwortlich. „Eine ungebremst steigende Inanspruchnahme“ stellte Dr. Rüter für die zentrale Notfallaufnahme fest. Die ambulanten Leistungen hätten sich weiter aufwärts entwickelt, die Zahl der stationär behandelten Patienten sei gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben.

Zahl der Mitarbeiter befindet sich auf Höchststand

Die stabile Leistungsentwicklung habe laut Dr. Georg Rüter der Sicherung von Arbeitsplätzen im St.-Vinzenz-Hospital sowie im gesamten Krankenhausverbund gedient. Mit 1582 Mitarbeitern im KHO (aktueller Stand 1586, rund 300 Mitarbeiter davon am St.-Vinzenz-Hospital) sei ein historischer Höchststand erreicht worden. „Das wichtigste Kapital unseres Unternehmens sind unsere Mitarbeiter“, unterstrich der Geschäftsführer.

Studenten zu Gast

Nicht zuletzt deshalb werde Wert auf die Ausbildung gelegt. Da sich das Wiedenbrücker Krankenhaus mit dem Bielefelder Franziskus-Hospital im Verbund befindet, welches akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover ist, beteiligt es sich auch an der Ausbildung von Studenten im Praktischen Jahr. So waren beispielsweise am Freitag zehn angehende Mediziner bei einem Workshop zum Thema Diabetes im Hospital an der Rietberger Straße zu Gast. Seine Einstellung gegenüber den künftigen Ärzten laute: „Wir bewerben uns um Euch“, unterstrich Dr. Rüter.

Ausbildung zur Pflegefachkraft

Im Pflegebereich will das St.-Vinzenz-Hospital ab 2020 im Rahmen der dann geltenden generalistischen Ausbildung zum so genannten Pflegefachmann, beziehungsweise zur Pflegefachfrau 200 statt bisher 100 Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. In Kooperation mit den KHO-Partnern und mit zwölf Seniorenheimen würden jeweils zu April und Oktober die insgesamt 4600 Stunden umfassenden Ausbildungen mit dem Schwerpunktschulstandort in Bielefeld starten, erläuterte Pflegedienstleiter Siegmund Neu. Diese dreijährige Ausbildung, die weiter gefasst sei als die bisherigen Spezialisierungen – etwa auf Alten- oder Kinderpflege – werde auch im Ausland anerkannt. „Wir wollen in der Hauptsache für uns ausbilden“, unterstrich Dr. Rüter.

In medizinische Geräte investiert

Dass das St.-Vinzenz-Hospital trotz seiner eher geringen Bettenzahl von etwa 170 bis 180 durchaus wettbewerbsfähig sei, führt Geschäftsführer Dr. Georg Rüter nicht nur auf das Personal, sondern auch auf die Ausstattung zurück. Dabei verwies er auf die fortlaufende Erneuerung des „umfangreichen Medizingeräteparks“. In das Wiedenbrücker Krankenhaus sei im vorigen Jahr etwa das Zweieinhalbfache des vom Land Nordrhein-Westfalen für Investitionen zur Verfügung gestellten Betrags gesteckt worden, teilte Kaufmännischer Leiter Wolfgang Bien mit. Über diese Investitionen hinaus sei Geld in die Instandhaltung geflossen. Insgesamt rund 15 Millionen Euro seien für beide Posten an allen drei KHO-Standorten aufgewendet worden, bilanzierte er. Auch weiterhin werde die Einrichtung in die Digitalisierung investieren, informierte Dr. Rüter und verwies darauf, dass alle Stationen WLAN-gestützt mit elektronischen Patientenakten ausgestattet seien.

Kritik an politischen Schnellschüssen

 „Wir wollen nicht jammern und unsere Hausarbeit machen“, sagte der Geschäftsführer angesichts solider Stabilität und betonte, dass die robuste Wirtschaftslage 2018 gute Rahmenbedingungen für das Gesundheitswesen geschaffen habe. Das Unternehmen sei schuldenfrei und habe einen Überschuss erwirtschaftet, erläuterte er. Der Umsatz habe gesteigert werden können (136,8 Millionen Gesamtumsatz der KHO im Berichtsjahr). Kritik äußerte er an „nicht ausgegorenen politischen Schnellschüssen“ wie etwa dem Pflegepersonalstärkungsgesetz auf Bundesebene.

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