Rentner geht Betrüger nicht auf den Leim
Bild: Schulte-Nölle
Hallo, wir kennen uns doch von früher!“: So wie in dieser nachgestellten Szene wurde Friedrich Meier in der Widumstraße in Rheda von einem unbekannten Autofahrer angesprochen.
Bild: Schulte-Nölle

Nur etwa drei Minuten später wird der Verdacht zur Gewissheit: Der 74-jährige Wiedenbrücker wurde von einem Trickbetrüger angesprochen.

Friedrich Meier absolviert gerade seinen täglichen Morgenspaziergang, als die Limousine von hinten herangefahren kommt und der Fahrer die Windschutzscheibe herunterlässt. „Einen Moment lang dachte ich noch, der Mann sei vielleicht wirklich ein Bekannter aus vergangenen Tagen“, erinnert sich der Rentner. Doch dann stellt sich der Unbekannte als „Mario“ vor und für Meier ist klar: „Da will mich jemand hereinlegen, unter diesem Namen kenne ich niemanden!“

Trotzdem lässt sich der Wiedenbrücker auf das Gespräch ein, will wissen, was der Betrüger vor hat. Und der geht bei seinem Täuschungsmanöver geschickt vor. „Er hat mich sogar gefragt, ob ich schon Goldhochzeit gefeiert habe, und dann alles Mögliche von sich selbst erzählt, um seine Geschichte glaubhaft klingen zu lassen“, sagt der 74-Jährige.

Frau warnt vor Betrüger

Etwa drei Minuten dauert das Gespräch, dann rückt der dreiste Mercedes-Fahrer schließlich mit dem eigentlichen Plan heraus: Er bietet Friedrich Meier an, ihn nach Hause zu fahren, doch der lehnt ab. Als der Betrüger nicht locker lässt, greift eine couragierte Dame ein, die von einem Balkon aus das Gespräch unter sich mitbekommen hat. „Die Frau riet mir, mich nicht auf das Angebot einzulassen, der wolle mich nur über den Tisch ziehen.“

Dass sie mit dieser Einschätzung genau richtig liegt, zeigt sich nur Sekunden später. Wie auf ein Stichwort mach sich der Fahrer der schwarzen Limousine aus dem Staub. Auch wenn er dem Trickbetrüger nicht auf den Leim gegangen ist, ärgert sich Friedrich Meier dennoch über die enorme Dreistigkeit, mit der der Unbekannte vorgegangen ist. „Nur weil ich graue Haare habe, bin ich noch lange nicht senil und glaube alles, was man mir erzählt“, findet der Wiedenbrücker klare Worte. Meier will daher insbesondere die ältere Generation Rheda-Wiedenbrücks warnen. „Dieser Mann hat es ganz offensichtlich auf uns Rentner abgesehen.“

„Kumpel-Masche“ bei Polizei bekannt

Die „Kumpel-Masche“ ist für die Polizei Gütersloh keine unbekannte. „Die Betrüger nutzen eine angebliche Erkenn-Situation, geben sich als Bekannte oder Freunde aus, und wiegen ihre Opfer so in Sicherheit“, sagt Pressesprecherin Corinna Koptik. Gezielt würden dabei gerade ältere Personen angesprochen, da die Gauner bei ihnen Arglosigkeit und ein nachlassendes Gedächtnis vermuten.

Grundsätzlich rät Corinna Koptik daher in solchen Situationen, misstrauisch zu sein und direkt nach der Identität des Gegenüber zu fragen. „Wenn man die Person nicht kennt, die einen da in ein Gespräch verwickeln möchte, sollte man den Kontakt sofort abbrechen, weggehen und gegebenenfalls auch andere Passanten laut um Hilfe bitten oder unter der Telefonnummer 110 die Polizei rufen.“

Haustürgeschäfte meistens unseriös

Die Pressesprecherin warnt insbesondere auch vor Haustürgeschäften: „Seriöse Anbieter werden niemals versuchen, auf diesem Weg einen Vertrag mit Ihnen abzuschließen.“ Betroffene sollten sich auch nicht auf mündliche Abmachungen einlassen, oder unangemeldete Serviceleitungen wie zum Beispiel angeblich dringende Wartungsarbeiten in Anspruch nehmen. „Damit öffnen Sie möglichen Betrügern Haus und Hof.“

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