Rheda ist für Sender wahlentscheidend
Vor der Eingangstür des Wahllokals für den Stimmbezirk 52 (836 Wahlberechtigte, davon 105 Briefwähler) im Rhedaer Einstein-Gymnasium gehen Roland und Andrea Borchardt mit Jens Schmidt (r.) den Fragebogen durch, den der 43-Jährige anschließend beantworten soll. Jeden zweiten „Landtagswähler“ bat das Gütersloher Ehepaar am Sonntag im Auftrag der ZDF-Forschungsgruppe Wahlen um die Teilnahme an der Befragung. Die so erhobenen Daten flossen in die Prognosen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders über den Wahlausgang ein.

Während die ARD die Wahlberechtigten, die in der Matthias-Claudius-Schule ihre Kreuzchen machten, zu ihrem Abstimmungsverhalten befragte, nahm das ZDF die Wähler im Einstein-Gymnasium ins Visier. Dort hatten Roland und Andrea Borchardt als freie Mitarbeiter der Forschungsgruppe Wahlen ihren ersten Einsatz. Morgens um 8 Uhr positionierte sich das Ehepaar aus Gütersloh vor dem Eingang des Wahllokals für den Stimmbezirk 52 – und ließ die Tür bis zum Abend nicht mehr aus den Augen.

Fast niemand gibt Meinungsforschern einen Korb

Jeden Zweiten, der zuvor in der Wahlkabine seine beiden Stimmen abgegeben hatte, baten Roland und Andrea Borchardt um einen weiteren Urnengang. Die Angaben, die die Teilnehmer auf den gelben Fragebögen machten, wurden anonym behandelt. Anders als beim „Kreuzchenmachen“ in staatsbürgerlicher Mission ging es diesmal aber nicht um die künftige Zusammensetzung des nordrhein-westfälischen Landtags, sondern um ein Meinungsbild für die ersten Hochrechnungen, die am Sonntag nach Schließung der Wahllokale über die Fernsehbildschirme flimmerten. Acht kurze Fragen sollten die nach dem Zufallsprinzip ermittelten Wahlberechtigten beantworten – einen Korb gab Roland und Andrea Borchardt fast keiner. „Eigentlich jeder, den wir angesprochen haben, hat mitgemacht“, freute sich Roland Borchardt, der hauptberuflich beim Gütersloher Finanzamt tätig ist.

Wasserstandsmeldungen übers Telefon

Sechs Mal zwischen 10 Uhr und 17.50 Uhr mussten sich die Eheleute telefonisch bei der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim melden, um Wasserstandsmeldungen zu geben. „Die Ergebnisse werden nach und nach in den Gesamtbestand eingepflegt, so dass sich am Abend ein möglichst realistisches Bild des Wählerverhaltens ergibt“, erläutert Andrea Borchardt. Die beiden Gütersloher waren am Sonntag zwei von einigen 100 Interviewern, die ARD und ZDF landesweit eingesetzt hatten.

Mittendrin statt nur dabei

Schaffen die Piraten den Sprung in den Landtag? Bleibt die FDP drin? Das waren die Fragen, die die Kulturwissenschaftlerin Andrea Borchardt rein privat am meisten interessierten. Mittendrin statt nur dabei zu sein bei der Landtagswahl – das sei das Hauptanliegen von ihr und ihrem Mann gewesen, sich als Wahlforscher zu bewerben.

Auf die richtige Reihenfolge kommt es an

Welchem Direktkandidaten haben Sie Ihre Erststimme gegeben? Welche Partei haben Sie mit Ihrer Zweitstimme gewählt? Was für einen Schulabschluss haben Sie? Welcher Konfession gehören Sie an? Wie oft gehen Sie zur Kirche? Für welche Partei haben Sie bei der Landtagswahl 2010 gestimmt? Diese Fragen sollten die Teilnehmer an der Umfrage der ZDF-Forschungsgruppe Wahlen am Sonntag im Einstein-Gymnasium beantworten. Gefragt wurde ferner nach Alter und Geschlecht. Andrea und Roland Borchardt achteten auf die richtige Reihenfolge: Erst im Wahllokal den Stimmzettel in die Urne werfen, dann bei ihnen im Flur den Fragebogen ausfüllen – auf diese Weise sollte jegliche Verfälschung des Wahlergebnisses ausgeschlossen werden.

Um 18 Uhr ist noch lange nicht Schluss

Um 18 Uhr war für die freiberuflichen Mitarbeiter der Forschungsgruppe Wahlen aber noch lange nicht Schluss. Dann galt es, auf die offiziellen Stimmauszähler zu warten das von ihnen festgestellte vorläufige Endergebnis zur Zentrale nach Mannheim zu übermitteln – zur Präzisierung der später am Abend veröffentlichten Hochrechnungen. Roland und Andrea Borchardt freuen sich schon auf ihren nächsten Einsatz als Wahlforscher, denn: „Es war spannend und hat Spaß gemacht.“

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