Rheda rockt auf dem Rathausplatz
Bild: Dick
Die Musikgruppe "Komm' Mit Mann!s" heizte das Publikum bei der Jazznacht in Rheda mächtig ein.
Bild: Dick

Die Musiker sorgten die mit einer hitzigen Soul-Revue dafür, dass die Körpertemperatur bei etlichen Zuhörern in teils schwindelerregende Höhen kletterte. Vergessen waren da die ohnehin verhalten geführten Diskussionen, ob der Umzug der traditionsreichen Jazznacht vom Doktorplatz zum Rathausplatz denn nötig oder richtig war.

Ohnehin spielte sich diese Debatte vornehmlich in Kreisen Alteingesessener ab. Und das auf dem Niveau der (ungelösten) Frage, wann der Andreasmarkt denn nun offiziell eröffnet gehört. Das Publikum stimmte derweil mit den Füßen ab – und gab den Machern aus den Reihen der Flora Westfalica recht: Der Rathausplatz war rappelvoll. Es war offenbar das Ereignis, das zählte, nicht der Ort der Veranstaltung.

Als die „Komm’ Mit Mann!s“ schließlich gegen 22 Uhr die Bühne enterten, gab es  nur noch diese eine Blickrichtung. Schnell war die anfängliche Distanz zur Bühne vergessen, man rückte fast hautnah an die elfköpfige Musikertruppe um den charismatischen Frontman Chris Tanzza heran. Und die legte los wie die Feuerwehr, obwohl „das eigentlich kein Wetter ist, um heiße Musik zu machen“, wie der Mann mit der „schwärzesten Stimme des Kohlenpotts“ eingangs zu bedenken gab.

Außer einigen eigenen Songs aus der inzwischen zwei Jahrzehnte währenden Bandhistorie waren es die Soulklassiker, die das Publikum in Verzückung versetzten: Zu Marvin Gayes „I Heard It Through The Grapevine“, Aretha Franklins „Chain Of Fools“ oder Dusty Springfields „Son Of A Preacherman“ ließen sich viele vom schlichten Mitwippen zum starken Ausdruckstanz hinreißen. Da war es gut, dass mit Stücken wie Otis Reddings „Dock Of The Bay“ Liedgut eingestreut wurde, bei dem man es etwas ruhiger angehen lassen konnte.

Ein Highlight im Repertoire der Band, die trotz brütender Hitze ihren Dresscode „Schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte“ gewahrt hatte, war die gut zehnminütige Reverenz an den alten Temptations-Klassiker „Papa Was A Rolling Stone“ inklusive des einmaligen Spannungsaufbaus im langen instrumentalen Vorspiel. Großes (Soul-)Kino!

Sommerlich heiter war dagegen der Dresscode des „Magic Boogie Duos“ gewesen, das mit Kontrabass und Piano in Zeiten des frühen Blues und Rockabilly entführte, in den die Wurzeln für die Musik gesetzt wurden, mit denen die „Komm’ Mit Mann!s“ ihrem Publikum bis Mitternacht mächtig was auf die Ohren gaben.

Rheda rockte, Rheda kochte – und allen ging es nur gut dabei.

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