Rostige Fahrräder lassen Augen glänzen
Bild: Paweltzik
Seinen Bedarf an Ersatzteilen deckt Ingo Berhorst aus Rheda-Wiedenbrück zu einem Großteil über Händler und Sammlerkollegen. „Aber auch über Museen beziehe ich Teile“, erklärt der Restaurateur.
Bild: Paweltzik

 Anfang Juli eröffnet eine Restaurationswerkstatt inklusive Verkauf an der Mönchstraße. Zuvor hatte der 40-Jährige die alten Räder zuhause generalüberholt. „Die waren im ganzen Haus verteilt. Man konnte zum Teil gar nicht mehr auf dem Sofa sitzen, weil darauf die gerade lackierten Teile lagen“, sagt Berhorst mit einem verschmitzten Lächeln. Vor allem deshalb habe er sich auf die Suche nach etwas Größerem gemacht und das „Living Classics“ gegründet, berichtet er. Den Platz benötigt Berhorst auch. 70 Fahrräder, die zum Teil fast 100 Jahre alt sind, sind aktuell in seinem Besitz. Darunter befinden sich neben bereits restaurierten Klassikern von Miele, Hercules oder Dürkopp auch viele noch nicht wieder instand gesetzte Räder. Trotz des braunen Rosts, der sich auf Rahmen, Ketten und Lenkern im Lauf der Zeit gebildet hat, sorgen die gealterten Schätzchen bei ihm für glänzende Augen. „Alles, was alt ist, hat einfach mehr Charme“, findet er.

Originalzustand möglichst erhalten

Der gelernte Restaurateur und Schreiner bezeichnet die Zweiräder deshalb auch gern als Kulturgut. „Sie sind zwar kein Gemälde von van Gogh, aber dennoch sind sie erhaltenswert“, sagt Berhorst. Um ein Rad wieder flott zu bekommen, benötigt der passionierte Bastler 20 bis 30 Stunden. „Dabei zerlege ich es bis auf die letzte Schraube in alle Einzelteile“, berichtet der 40-Jährige, der bisher nur in seiner Freizeit die Fahrräder auf Vordermann gebracht hat. Auf eine Sache legt Berhorst bei seiner Arbeit viel Wert. „Der Originalzustand sollte weitestgehend erhalten bleiben“, betont er. „Ist das nicht der Fall, soll man es lieber sein lassen.“ Beim Gang durch das Geschäft erblickt man dann auch das ein oder andere Zweirad, das einst in Wiedenbrück gebaut wurde. Dabei handelt es sich um Fabrikate des heute nicht mehr existierenden Fahrradhauses Ottens (Lohengrin und Cowi). „Das Unternehmen hatte seinen Sitz an der Langen Straße“, weiß Berhorst, der selbst an der zentrumsnahen Trasse aufgewachsen ist. Warum sich der Emsstädter für den Erhalt von scheinbar schrottreifen Rädern einsetzt, hat auch etwas mit seiner Herkunft zu tun. „Ich möchte das am Leben erhalten, was meine Kindheit, die Lange Straße und letztlich ganz Ostwestfalen geprägt hat“, erklärt er.

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