Rückenwind für Energie-Genossen
Bild: Schulte-Nölle
So sah es noch am Montag an der Marburg zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde aus: (v. l.) Petra Freitäger-Sierp, Klaus Sierp und Ulrich Martin besichtigten die Baustelle „Windrad Nord“. Die Wiedenbrücker sind Anteilseigner der Rheda-Wiedenbrücker Energiegenossenschaft, die etwa sechs Kilometer vom Ortseingang der Doppelstadt entfernt zwei Windkraftanlagen bauen lässt.
Bild: Schulte-Nölle

Jetzt wurde am Dienstagnachmittag die Nabe samt Rotorblätter aufgesetzt. Für Ulrich Martin und die Eheleute Klaus Sierp und Petra Freitäger-Sierp neigt sich damit ein bewegtes Jahr dem Ende zu. Als Genossen haben sie seit dem Spatenstich Anfang Juli der Vollendung des Projekts entgegengefiebert. Jeweils einen fünfstelligen Betrag haben Ulrich Martin und die Sierps dafür nach eigenen Angaben investiert. „Das ist unser Beitrag für ein neues Energiekonzept für Rheda-Wiedenbrück“, sagt Klaus Sierp.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“

Der 50-Jährige und seine Frau gehören zu den Gründungsmitgliedern der Energiegenossenschaft. Gemeinsam das gleiche Ziel zu verfolgen, alle ziehen an einem Strang, jeder hilft nach seinen Fähigkeiten: Dieses Konzept überzeugte das Ehepaar schnell. Ebenso wie der ökologische Aspekt an der Stromgewinnung durch Windkraft. „Das Thema regenerative Energien ist heute wichtiger denn je“, betont Sierp. In nicht allzu ferner Zukunft die Doppelstadt zur energieautarken Kommune zu erklären, das ist sein Ziel. Der erste Schritt sei nun getan. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, ist sich Sierp sicher.

Das sieht auch Ulrich Martin so. Seit Jahren schon setzt sich der Elektroingenieur dafür ein, dass sich in Rheda-Wiedenbrück in Sachen Energiewende etwas bewegt. 1993 baute er in Wiedenbrück das erste Niedrigenergiehaus der Doppelstadt. Zwei Jahre später stellte er einen Bürgerantrag an den Rat, einer Erklärung zur Reduktion des Energieverbrauchs von Kommunen um langfristig 25 Prozent beizutreten. Das Stadtparlament folgte zwar seinem Antrag – seither sei jedoch „im Grunde noch nichts passiert“, moniert Martin. Der 56-Jährige musste daher nicht lange überlegen, als sich im Mai 2013 die Energiegenossenschaft gründete. Nur kurze Zeit später erwarb Martin Anteile. Und hat das bis heute nicht bereut. „Das ist ein zukunftsweisendes Projekt und es fühlt sich einfach gut an, ein Teil davon zu sein“, sagt er.

7,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erwartet

Selbstverständlich, so geben Martin und die Sierps unumwunden zu, locke nicht zuletzt auch die Rendite – immerhin voraussichtlich etwa drei Prozent jährlich ab dem dritten Jahr. Das sei jedoch keineswegs der Hauptgrund gewesen, der Genossenschaft beizutreten, wie alle drei betonen. Die Genossenschaft hat aktuell 392 Anteilseigner. Zurzeit können keine weiteren Anteile erworben werden.

Die Windkraftanlagen der Rheda-Wiedenbrücker Energiegenossenschaft wurden von dem Unternehmen Enercon hergestellt und sind vom Typ E-28. Die Nabenhöhe beträgt jeweils 138 Meter. Die Rotoren haben einen Durchmesser von 82 Metern, so dass es die Windräder auf eine Höhe von insgesamt 179 Metern bringen. Für beide Anlagen gibt der Hersteller eine Nennleistung – also eine maximale Energieeinspeisung ins Stromnetz – von 2300 Kilowattstunden an. Die Rhewie EG kalkuliert mit einem Stromertrag von insgesamt 7,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, der von der RWE-Tochter Westnetz vertrieben wird. Die Invest-Summe für die EG beträgt insgesamt 6,5 Millionen Euro bei einem Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro. Die Restsumme wird über Kredite gedeckt.

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