Schaden für Tönnies fällt noch höher aus 
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Vor dem Landgericht Bielefeld müssen sich drei Angeklagte wegen bandenmäßigen Betrugs verantworten. Sie sollen im Fleischwerk Tönnies in Rheda Wiegevorgänge manipuliert haben.
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War in der Anklageschrift gegen zwei eigene Mitarbeiter und einen Werkvertragsarbeiter bislang von einer Schadenssumme in Höhe von knapp vier Millionen Euro die Rede („Die Glocke“ berichtete), so bezifferte Tönnies-Justitiar Martin Bocklage die Ausfälle am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld auf inzwischen rund 4,5 Millionen Euro. Bocklage war in dem im Juli eröffneten Prozess erneut als Zeuge vernommen worden.

Vorwurf des bandenmäßigen Betrugs

Angeklagt sind drei Männer im Alter von 27, 28 und 34 Jahren. Ihnen wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Die Drei, in dem Fleischwerk verantwortlich für die Annahme von Lieferungen sowie die Organisation und Durchführung von Wiegevorgängen, sollen sich mit verantwortlichen Mitarbeitern zweier Firmen auf einen Handel eingelassen haben. Die „Geschäftsvereinbarung“ sah vor, das Gewicht einer Warenanlieferung um zwei Tonnen zu erhöhen. Für diese Luftbuchung zum Vorteil der beiden Lieferfirmen sollen die Mitarbeiter an der Waage pro Lastwagen-Lieferung von den Fahrern 800 Euro in bar erhalten haben.

Im Prozess geht es um 1788 Vorfälle zwischen 2016 und 2019. Während zwei Beschuldigte noch am Tag der Aufdeckung ein notarielles Schuldanerkenntnis ablegten, lehnte der dritte Angeklagte eine Stellungnahme ab. Dieser wurde der Polizei übergeben. Tönnies habe „erhebliche Zeit- und Datenkapazitäten“ eingesetzt, um die Masche der Täter ausfindig zu machen, sagte Bocklage. Der bei Tönnies für Recht und Personal Verantwortliche: „Wir haben uns immer wieder gefragt, wie Ware aus dem Werk verschwinden kann. Erst später kamen wir auf den Dreh, dass die Ware erst gar nicht ins Werk gekommen sein könnte.“ Er sprach von einer „systemischen Lücke, die man ausnutzen konnte, die bei intensiver Prüfung aber eher hätte auffallen müssen“.

Urteil wird im Dezember erwartet

Parallel zur prozessualen Aufarbeitung bemüht sich die Firma Tönnies um die Sicherung ihres Vermögensschadens. Mit einem der beiden Lieferanten wurde zunächst ein Vergleich geschlossen und die Hälfte der Schadenssumme an das Tönnies-Werk gesichert. Bei der zweiten inzwischen inaktiven Firma hat es bereits Pfändungen auch beim Privatbesitz des geschäftsführenden Gesellschafters gegeben. Alles in allem bezifferte Bocklage die bisherige Schadenssicherung auf „etwas über 50 Prozent“. Das Urteil gegen die drei Angeklagten soll am 10. Dezember gesprochen werden.

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