Schleichender Niedergang der Sparkultur
Johannes Hüser und Werner Twent, die beiden Vorstände der Kreissparkasse Wiedenbrück, führen den Erfolg des Unternehmens auf "sehr harte Arbeit" zurück. Er sei nicht Ergebnis eines Zufalls.

„Darauf müssen wir Antworten finden“, sagten während der Bilanzpressekonferenz die Vorstände des Kreditinstituts, Johannes Hüser und Werner Twent.

Filialnutzung lässt deutlich nach

Klassische Filialen verlieren auch bei der Kreissparkasse Wiedenbrück an Bedeutung. Im vergangenen Jahr nutzten bereits 38 100 Kunden das Online-Banking-Angebot des Instituts – das sind mehr als 50 Prozent. Wer den Kontakt außerhalb des Internets sucht, nimmt vielfach den Weg über das im Herbst eröffnete Servicecenter der Bank. 15 Mitarbeiter bearbeiten dort mittlerweile 700 der rund 1000 täglich eingehenden Anrufe abschließend. Das heißt, die Kunden müssen nicht weiterverbunden werden, weil ihr Problem oder Anliegen direkt gelöst beziehungsweise in Angriff genommen worden ist. Sukzessive werde in diesem Bereich weiteres Personal aufgebaut, sagt der Vorstandsvorsitzende Johannes Hüser. In der Konsequenz aus dem veränderten Kundenverhalten hat die Nutzung der Filialen in den vergangenen Jahren spürbar um 30 Prozent nachgelassen.

Wertpapiergeschäft legt wieder zu

Verdoppelt hat sich die Summe der Kundeneinlagen in den vergangenen acht Jahren. Auslöser sei die Pleite der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und die daraus resultierende Finanzkrise gewesen, sagt Werner Twent. Auf der Suche nach einer sicheren Anlagemöglichkeit entschieden sich viele danach für klassische Angebote. Gleichwohl nimmt das Wertpapiergeschäft bei der Kreissparkasse Wiedenbrück wieder Fahrt auf. Erstmals nach vier Jahren kann der Vorstand in diesem Bereich auf einen positiven Nettoabsatz verweisen (19 Millionen Euro). „Das Geschäft birgt Chancen und Risiken“, sagt Twent. Deshalb seien alle Mitarbeiter dahingehend ausgebildet, Kunden mit Renditeorientierung ebenso passende Produkte anzubieten wie jenen mit einer begrenzten Bereitschaft zum Risiko. „Alles in allem geht es mit diesem Bereich wieder in die richtige Richtung“, freut sich Hüser.

Müssen mehr „strampeln“

Schwierig ist das Geschäft mit Immobilien. Die Sparkassen-Tochter SKW Haus und Grund muss Twent zufolge „deutlich mehr strampeln“, als es in der Vergangenheit der Fall war. Zum einen fehlen Baugebiete, zum anderen finden Verkäufe mittlerweile vielfach unter Ausschluss der Makler statt. Gleichwohl sei man als Sparkasse deutlich im Vorteil: „Wir haben das Ohr dank unserer guten Kundenkontakte immer am Markt“, sagt Twent.

Niedergang der Sparkultur

Die Kreissparkasse Wiedenbrück spüre – wie alle Mitbewerber auch – sehr deutlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen auf einem historisch niedrigem Niveau halte, sagen die Vorstände Johannes Hüser und Werner Twent. Dieser Umstand gefährde vor allem die Sparkultur. Auswirkungen hat das auch auf das Geschäft mit der Altersvorsorge. Wesentliches Element ist dort die Riester-Rente. „Erstmalig nach fünf Jahren nutzten 2014 wieder mehr Kunden dieses Angebot“, bilanzieren Hüser und Twent, fragen sich aber gleichzeitig: Kann es wirklich Sinn sein, wenn Zinsen künstlich niedrig gehalten werden und die private Altersvorsorge einer ganzen Generation wegbricht?

„Eine neue Generation lernt ohne Zinsanreiz nicht mehr das Sparen. Staaten halten sich zulasten von Sparern über Wasser“, beklagt Hüser. Zudem werde ein Grundgedanke der Wirtschaft über Bord geworfen: dass man für die Überlassung von Kapital einen Gegenwert erhält. Die „quasi Abschaffung“ von Zinsen bedeute für alle Kreditinstitute, deren Geschäftsergebnis maßgeblich vom Zinsüberschuss beeinflusst wird, eine beachtliche Aufgabe.

„Hinzu kommen weitere, gewaltige regulatorische Herausforderungen“, ergänzt Vorstand Werner Twent. Auf diese werde man „sehr besonnen Antworten finden“, indem man das Kundengeschäft steigere und zudem den Blick auf die Kostenstrukturen und Prozesse richten wolle.

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