Schönheitskur für beide Rathäuser
Porös: Die Natursteintreppe im Eingangsbereich des Wiedenbrücker Rathauses muss instandgesetzt werden. Zudem soll das Gebäude aus dem Jahr 1619 einen neuen Anstrich erhalten. Anfang Juli geht es los.

Dass sich am Rhedaer Rathaus etwas tut, ist seit einigen Wochen schon von weitem zu erkennen: Ein Baugerüst ist immer weiter in die Höhe gewachsen. Inzwischen hat es den obersten Stock des 37 Meter hohen Verwaltungsgebäudes erreicht. Allerdings sind nicht alle Bereiche der Rathausfassade eingerüstet, sondern nur diejenigen Flächen, die über eine Putzverkleidung verfügen. Sie sollen in den kommenden Wochen einen neuen Anstrich erhalten.

Wetter setzt dem Putz zu

Wind und Wetter hatten der Putzfarbe in den vergangenen Jahren arg zugesetzt. Deshalb war rund 16 Jahre nach der jüngsten umfassenden Rathaussanierung ein Neuanstrich erforderlich. Insgesamt umfasst die Fassade des Verwaltungssitzes am Rathausplatz 5000 Quadratmeter. Allerdings bestehen nur 2800 Quadratmeter davon aus Beton. Der Rest setzt sich aus 650 Fenstern und größeren wie kleineren Metallflächen zusammen. Letztere müssen nach Auskunft von Stadtsprecher Martin Pollklas nicht neu gestrichen werden. „Eine umfassende Reinigung der Alupaneele reicht aus“, erklärt er. Das erklärt, warum nur etwas mehr als die Hälfte der Gesamtfassadenfläche aktuell von einem Gerüst für die Maler umgeben ist: Wo die Außenschicht aus Metall ist, kommt ein Hubwagen zum Einsatz, von dem aus die Mitarbeiter der beauftragten Firma den Wischer schwingen können.

Sanierung und Reinigung des Rathauses schlagen nach Informationen der Stadtverwaltung mit etwa 250 000 Euro zu Buche. Das mag sich im ersten Moment viel anhören, ist aber im Vergleich mit den 5,5 Millionen Euro, die die umfangreiche Rathaussanierung im Jahr 2004 verschlang, vergleichsweise wenig. Schon damals sei den Entscheidungsträgern klar gewesen, dass ein Neuanstrich der Außenhaut etwa alle 15 Jahre erforderlich sei, erläuterte Pressesprecher Pollklas.

Tiefgarage bleibt weiter befahrbar

Damit Besucher und Mitarbeiter das Rathaus auch während der mehrwöchigen Bauphase problemlos erreichen können, sind an den Ein- und Ausgängen Sicherheitstunnel eingerichtet worden. Auch die Tiefgarage ist durch einen solchen Tunnel weiterhin befahrbar. Das Rathaus der Doppelstadt steht an der Stelle, wo sich einst das Rhedaer Rathaus befand. Die Pläne für den nicht unumstrittenen Bau, der von März 1972 bis Oktober 1974 hochgezogen wurde, stammen von Architekt Harald Deilmann aus Münster.

Schönheitskur auch in Wiedenbrück

Mit mehr als 400 Jahren ungleich älter als das Rhedaer Gegenstück ist das historische Wiedenbrücker Rathaus. In dem Fachwerkbau am Marktplatz sind heute eine Filiale des Bürgerbüros sowie das Standesamt zu finden. Errichtet 1619 – also ein Jahr nach Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs –, hat das Wiedenbrücker Rathaus 1980 seine letzte umfassende Restaurierung erfahren. In den Jahren 2015 und 16 erfolgte der barrierefreie Umbau der Eingangsbereiche. Jetzt ist eine Schönheitskur fällig.

Sandsteinelemente müssen ersetzt werden

120 000 Euro wird die Maßnahme kosten, die nach Worten von Stadtsprecher Martin Pollklas Anfang Juli beginnen soll. Vorgesehen ist, dass Schäden an Fenstern, Gefachen und Treppenanlage ausgebessert werden. Eine umfangreiche Instandsetzung der Putz- und Fachwerkfassade ist ebenfalls erforderlich. „Dies schließt das Ergänzen schadhafter Putzgefache und den Austausch beschädigter Fachwerkhölzer ein“, erklärt er. Im Eingangsbereich zum Markt hin wartet noch eine größere Baustelle auf die Mitarbeiter der beauftragten Spezialfirmen: Im Umfeld der markanten Holztür müssen Sandsteinelemente ersetzt, zudem muss die abgängige Treppenanlage aus Naturstein erneuert werden. „Nach Durchführung dieser Arbeiten erfolgt der Anstrich von Fenstern und Eingangstür sowie der Fachwerkhölzer und der weißen Putzgefache“, erläutert die Verwaltung.

Trauungen ersatzweise im Kloster

Besonders arbeitsaufwendig sei in diesem Zusammenhang die Erneuerung der zahlreichen historischen Inschriften, die die Außenhülle zieren. Trauungen können während der Dauer der Arbeiten nicht im Wiedenbrücker Rathaus stattfinden. Um Paaren trotzdem die Möglichkeit zu geben, ja zueinander zu sagen, hat die Stadt eine Kooperation mit der Klostergenossenschaft geschlossen. Diese stellt den Speisesaal des Franziskanerklosters, das sogenannte Refektorium, vorübergehend als Trauungsort zur Verfügung. Die Standesamtsmitarbeiter selbst versehen ihren Bürodienst auch während der Sanierungsphase im Wiedenbrücker Rathaus.

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