Schüler singen über Weg nach Deutschland
Bild: Oelgemöller
Selbstbewusst stehen (v. l.) Graciela, Wiktoria, Andra, Oliwia, Maja, Emilia, Elham, Asad, Ranin, Rodi, Jeylan und Ahin vor dem Mikrofon, um einige Verse des Lieds „Wir sind bereit“ zu singen.
Bild: Oelgemöller

Ein wenig unsicher steht Emilia zunächst vor dem Mikrofon. Mit ihren Händen hält sie den dicken, schwarzen Kopfhörer fest. Neben ihr steht Carry Traub. Die Musikerin hilft der 14-Jährigen, ein Gefühl für den Rhythmus ihrer Textzeile zu bekommen. Sie ermutigt sie, mit kräftiger Stimme zu singen, und klatscht freudig, als eine tolle Aufnahme gelungen ist.  Plötzlich ist der Raum von Applaus gefüllt. Die anderen Schüler, die zuvor mucksmäuschenstill waren, stimmen in den Applaus ein. Dann tritt Ayman an das Mikrofon und die Ruhe kehrt zurück. Er ist der nächste, der einen Vers aufnimmt.

Musiker auf Augenhöhe mit den Kindern

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Tag so produktiv wird“, beschreibt Jutta Maas. Sie ist die Klassenlehrerin der 18 Jungen und Mädchen, die aus sieben Nationen stammen, darunter Rumänien und Mazedonien, aber auch Syrien und dem Irak. „Als sie vor etwa einem Jahr in Rheda-Wiedenbrück angekommen sind, haben sie kein Wort Deutsch gesprochen“, sagt Jutta Maas. Umso bemerkenswerter sei es, dass sie an diesem Tag ein Lied in der einst fremden Sprache einsingen, dessen Text sie selbst geschrieben haben.

Außer von Carry Traub erhalten sie dabei Unterstützung von Ron Traub und Conny Beck vom Verein „Lifenotes“. Die drei haben das komplette musikalische Equipment mitgebracht und werden jedem Kind am Abend eine CD mit ihrem Lied darauf überreichen. Sowohl bei der Themenauswahl als auch beim Schreiben der Texte sowie bei der Aufnahme schwingt ein laut Ron Traub notwendiges Maß an Professionalität mit, wenngleich zwischendurch immer mal wieder Zeit für einen Scherz ist. „Für uns ist die Arbeit vergleichbar wie die im Studio mit echten Musikern“, beschreibt Ron Traub. „Wir arbeiten auf Augenhöhe mit den Kindern.“

„Man muss mutig sein“

Ziel des eintägigen Projekts sei es, die Integration und Inklusion über die Musik zu fördern. Die Schüler wiederum finden sich im Lauf des Tages immer besser in ihre Rolle als Sänger ein. Ayman beschreibt, dass es für ihn zunächst sehr ungewohnt gewesen sei, am Mikrofon zu stehen, aber zunehmend Spaß mache. „Man muss mutig sein, aber das sind wir, und wir können gut singen“, ergänzt Rodi und lacht.

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