Schulcampus für eine halbe Million Euro
Foto: Sudbrock
Zwischen Einsteingymnasium und ehemaliger Johannisschule liegen zwei Pausenhöfe, die zu einem Campus verschmelzen sollen. Zunächst aber will man der maroden Kanalisation zu Leibe rücken. Die Gesamtkosten werden mit 500.000 Euro beziffert.
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Der Ausschuss für Grundstücke und Gebäude machte während seiner jüngsten Sitzung zunächst deutlich, dass das Vorhaben zunächst die dafür originär zuständigen Fachgremien durchlaufen müsse und bei ihm zunächst fehlplatziert sei. Den Einwand, dass dadurch wertvolle Zeit zur Vorbereitung der Ausschreibung verloren gehe, ließen die Fraktionen nicht gelten. Im Zweifel könne die Maßnahme dann eben nicht – wie eigentlich vorgesehen – während der nächsten Sommerferien umgesetzt werden.

Entwässerungssystem ist marode

Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe, die eine Umgestaltung des Pausenhofs erforderlich machen: Zum einen hat sich das Gymnasium für seine Oberstufe bekanntlich das Gebäude der ehemaligen Johannisgrundschule „einverleibt“, nun soll auch der Außenbereich zusammenwachsen. Zum anderen sind Landschaftsarchitektin Laura Heuschneider zufolge die Entwässerungsanlagen im Untergrund derart marode, dass „man ohnehin ran muss“. Vielfach hätten Wurzeln die Rohre durchbohrt und verstopften sie, anderswo seien Leitungen abgerissen.

Der Plan der Verwaltung ist, die beiden einst getrennt genutzten Pausenhöfe funktional sowie gestalterisch miteinander zu verbinden und gleichzeitig an den Klimawandel anzupassen, der Kommunen vor große Herausforderungen stellt. Die Bewältigung von Starkregen mit vollgelaufenen Kellern oder die zunehmend als unerträglich empfundene Hitze in verdichteten Innenstädten sind nur zwei Beispiele. Da kommt ein Förderprogramm der Landesregierung gerade recht.

Finanzielle Unterstützung aus Düsseldorf

Hintergrund

Das Klima ist im Wandel. Während im Sommer zumeist der Regen ausbleibt, kommt er plötzlich und unvermittelt in Sturzbächen herunter, auf Kälteeinbrüche folgt unnatürlich milde Witterung. Um diesen und weiteren Folgen der Klimakrise entgegenzusteuern, müssen Kommunen aktive Konzepte mit resilienten Strukturen aufbauen. Das kostet Geld, was angesichts der Pandemie auch in kommunalen Kassen knapp ist. Den Städten und Gemeinden helfen soll das Konjunkturprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“, das mit zwölf Millionen Euro beziffert ist. Mögliche Maßnahmen könnten darauf abzielen, Hitze vorzubeugen: Grünflächen in Wohnungsnähe oder Dach- und Fassadenbegrünung verbessern zum Beispiel das Mikroklima. Die Entsieglung von Flächen oder die Förderung der Verdunstung zur Minderung des urbanen Wärmeinseleffekts gehören auch dazu. Ansätze gegen Starkregen finden sich im Programm „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement“ des Umweltministeriums. Klimamodelle sagen für Nordrhein-Westfalen eine Temperaturzunahme von 2,8 bis 4,4 Grad für den Zeitraum 2071 bis 2100 bezogen auf 1971 bis 2000 voraus. Bereits heute sind in den dicht besiedelten Gebieten des Lands 6,9 Millionen Menschen von Hitzebelastung betroffen, 2050 dürften es laut den Prognosen bis zu elf Millionen werden.

Das Parlament in Düsseldorf sichert darin finanzielle Unterstützung bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu. Förderfähig sind laut NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser Begrünung und Entsiegelung von Flächen, um resiliente Strukturen zu schaffen, Folgekosten zu vermeiden und Unternehmen der Bau-, Garten- sowie Landschaftsbaubranche durch die Krise zu helfen. Am Einsteingymnasium geht es konkret darum, mehr schattige Plätze zu schaffen, Pflasterflächen zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Während sich die Oberstufenschüler künftig in einem eigenen Hain von Stochastik, Shakespeare und anderen Dramen erholen können, sollen sich jüngere in der Mitte austoben dürfen. Zum Warmmachen vor dem Sportunterricht sind Spielgeräte vor der Turnhalle geeignet. Wiederverwenden möchte die Planerin die Tischtennisplatten: weil sie beliebt sind sowie aus Gründen des achtsamen Umgangs mit Ressourcen.

Boden teilweise abgesackt

Weil sich nach Regenfällen immer größere Pfützen bildeten und das Wasser einfach nicht ablaufen wollte, war seitens der Verwaltung eine Befahrung mit einer Kamera eine Bestandsaufnahme der Kanalisation unterhalb von Einsteingymnasium sowie ehemaliger Johannisschule vorgenommen worden. Das Ergebnis ist eindeutig gewesen, Handlungsbedarf ist gegeben.

Aus Gründen der Effektivität sollen die Sanierung der Entwässerungsleitungen, wofür ein weiteres externes Planungsbüro an Bord ist, und die Umgestaltung des Schulhofs als Gesamtmaßnahme konzipiert sowie durchgeführt werden. Dort, wo die Kanäle instandgesetzt werden müssen und der Boden abgesackt ist, wird das Pflaster aufgenommen und später durch neues Material ersetzt. Die Bereiche des Schulhofs, die tadellos sind, möchte man im Sinne der Nachhaltigkeit erhalten.

Ein Wort zum Sonntag

Die Kosten für die Schulhofgestaltung wurden mit 500.000 Euro ermittelt und stehen im Haushaltsplan für 2021. Hinsichtlich der Kanalsanierung kalkuliert man mit einem Investitionsaufwand von 360.000 Euro, wobei diese bereits im Gesamtbudget enthalten sind.

500.000 Euro sind in den Augen des FDP-Ratsherrn Michael zur Heiden ein Wort zum Sonntag, „wenn man bedenkt, dass da noch einige andere Pausenhöfe sind, die optimiert werden müssen“. CDU-Fraktionschef Thomas Mader beschäftigte indes eine andere Frage: Hätte nicht zuerst der Schulausschuss über das Thema beraten sollen, ehe es in den Ausschuss für Grundstücke und Gebäude geht? Ja, hieß es, durchaus. Allerdings sei der Zeitplan eng getaktet, und mit einer positiven Beschlussempfehlung zumindest aus diesem Gremium könne das beauftragte Büro erste Vorbereitungen treffen. Bürgermeister Theo Mettenborg war es dann, der deutlich machte, dass das Beratungsrecht des Rats über den anderen Interessen stehe und gewahrt bleiben müsse. Die nächste Sitzung des Stadtparlaments ist für Dienstag, 2. März, 17 Uhr terminiert.

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