Seltene Ente am Linteler See gesichtet
Bild: Knoth
Womöglich nur Rast macht eine Kolbenente am Linteler See in Rheda-Wiedenbrück. In dieser Region kommt der Zugvogel relativ selten vor. Dieser Tage haben ihn einige Fotografen vor die Linse bekommen.
Bild: Knoth

Normalerweise ist sie in Nordeuropa und Asien heimisch. Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Kolbenente auch in Deutschland verbreitet. „Hierzulande leben sie an der Mecklenburgischen Seenplatte und am Bodensee“, erklärt Ludger Brokemper zu den Tieren.

„Bedingungen nicht optimal“

Dass sich eines der in Europa geschätzt 15 000 Exemplare in Westfalen blicken lässt, ist laut Einschätzung des 52-Jährigen etwas Besonderes. „Ich habe bislang noch keine Kolbenente hier vor Ort frei beobachten können“, sagt Brokemper und vermutet, dass der Zugvogel einen kurzen Halt am Linteler See gemacht hat, um sich mit Futter zu versorgen. „Die Lebensbedingungen an diesem See sind für dieses Tier nicht optimal“, behauptet er. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in flachen Gewässern – der See in der Doppelstadt soll zu tief für die Tauchente sein, die maximal 30 Sekunden unter Wasser bleiben kann und sich am liebsten von Armleuchteralgen und Laichkräutern ernährt.

Der Entenzüchter denkt, dass die Kolbenente weiter nach Spanien, Südfrankreich oder Nordafrika fliegen wird, um dort ihr Winterquartier zu beziehen. Auch eine Überwinterung am Bodensee ist möglich. „Auf Mallorca befindet sich der Naturpark Albufera. Auch dort finden Kolbenenten ein geeignetes Zuhause für den Winter“, berichtet der Experte. Im Gegensatz zur hier heimischen Stockente ist die Kolbenente eher scheu und meidet den Kontakt zu Menschen.

Naturfotografen kommen in die Doppelstadt

Einige Naturfotografen aus Nordrhein-Westfalen haben in den vergangen Tagen die Reise nach Rheda-Wiedenbrück angetreten, um den hier seltenen Zugvogel aus der Ferne vor ihre Linse zu bekommen.

Das Züchten von Enten hat Ludger Brokemper im Alter von sechs Jahren von seinem Vater Karl-Josef übernommen. Der Ingenieur berichtet, dass sein Vater Mitte der 1970er-Jahre eine Kolbenente besaß. Aktuell hat der 52-Jährige mehr als 40 Wasservögel in der eigenen Zucht – dazu zählen unter anderem Gänsesäger, Eiderenten, Kap-Löffelenten aus Südafrika sowie Trauerenten, die bei Meeresverschmutzungen durch Erdöl aufs Land fliegen. Für sie hat er in seinem Garten ein artgerechtes Naturbiotop geschaffen.

Art ist nicht gefährdet

Laut Schätzungen der Schweizer Weltnaturschutzunion „IUCN“ wird der weltweite Bestand der Kolbenente auf bis zu 400 000 Tiere geschätzt. Die Art gilt demnach nicht als gefährdet. Die Verbreitung dieser Rasse ist ungewöhnlich: Sie kommt hauptsächlich in Asien, besonders in der Region um Kasachstan, Russland und im Westen der Mongolei, vor. In Europa war ihr Erscheinen lange Zeit ein exotisches Ereignis. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts besiedelte der anpassungsfähige Vogel den Bodensee sowie Länder wie Italien, Deutschland, die Niederlande, Dänemark und Polen.

Die Kolbenente, die maximal acht Jahre alt werden kann, wird bis zu 58 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite von 80 Zentimetern. Das Gewicht des Tiers beträgt etwa ein Kilogramm. Das Männchen hat einen rotbraunen dicken Kopf und einen leuchtend scharlachroten Schnabel. Der Kopf und Schnabel des Weibchens ist dagegen dunkelbraun. Die Wangen sind weiß. Während der Brutzeit, die zwischen Mai und Juni stattfindet, leben Kolbenenten paarweise. An einer erhöhten Stelle in Wassernähe wird das Nest gebaut. Nach der Paarung legt die Mutter bis zu elf Eier ins Nest.

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