Skulpturen bereichern Heimalltag
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Die Alltagsmenschen vor dem Altenheim St. Aegidius in Wiedenbrück kommen gut an.
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Seit wenigen Monaten können sie den Alltag von Bewohnern und Mitarbeitern gleichermaßen bereichern und durchaus für Verwirrung sorgen. Christel Lechner überzeugte sich jetzt selbst davon, wie sich ihre Alltagsmenschen am Drostenweg eingelebt haben. Vor allem Vera, eine stattliche Frau mittleren Alters in karierter Stoffhose und weiß gepunkteter brauner Bluse, die mit übereinander geschlagenen Beinen auf einer Bank vor dem Eingangsbereich sitzt und ein Auge auf das rege Kommen und Gehen dort hat, sorgt immer wieder für Wirbel. „Nach meinem Feierabend habe ich mich einmal sogar von ihr verabschiedet“, beschreibt Heimleiter Karl-Wilhelm Koppers die zunächst schwierige Umgewöhnung mit einer Anekdote. Gerade bei nassem und kaltem Wetter wundere man sich, weshalb da jemand nicht ins warme Haus komme, führt er weitere Kuriositäten an.

Beliebtes Fotomotiv

Die Figur sei auch als Fotomotiv sehr beliebt. „Vera bleibt selten allein“, berichtet Koppers. Weniger auffällig, da durch Sträucher und Bäume teils verdeckt, aber von den meisten Bewohnern ebenfalls gern gesehen und viel beachtet, sind die Drei von der Bushaltestelle: Zwei Männer mit angegrautem Haar und eine kleine Frau mit großem Bauch in roter Weste, die das Seniorenheim scheinbar verlassen wollen. Wohin die Reise gehen soll, bleibt ihr Geheimnis. Dem Alter nach zu urteilen haben sie vielleicht einen Angehörigen besucht oder wollten vorab den Ort in Augenschein nehmen, an dem sie ihren eigenen Lebensabend verbringen möchten.

Für Senioren gut erreichbar

„Viele Bewohner haben sich sehr gefreut, denn mit dem Rollstuhl sind die übrigen Figuren in der Innenstadt nicht beliebig zu erreichen“, weiß Schwester Bernhelma, die Seelsorgerin der Einrichtung. Angesichts der belebenden Wirkung der Skulpturen sprach auch Ute Ehlert von der Burckhard-Kramer-Stiftung, die die Ausstellung Christel Lechners finanziell unterstützt, von einem „Gewinn für das Haus“. Eine neue Anfertigung sind die vier Alltagsmenschen nicht. Vera ruhte sich in der Vergangenheit vor dem Eiscafé Garda am Klingelbrink aus, während die übrigen an der Hauptstraße wartend verharrten. Noch bis zum Herbst zieren die vier Kunstwerke den Vorhof des Seniorenheims, bevor sie im Winter vorerst wieder abgebaut werden.

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