Smartphone-App koordiniert Hilfe
Bild: von Stockum
Die Gruppe um Karin Fraune und Niklas Böckmann hat eine Anwendung zur Koordination von Flüchtlingshilfe entwickelt. Gleichzeitig ist die App ein Netzwerk.
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Die Angebote beziehungsweise die Wünsche aber sind oft schwer zu überblicken. Die Lösung hat ein junges Gründerteam, das unter anderem Apps und Websites erstellt, aus Rheda-Wiedenbrück in Form einer App entwickelt, die ab dem 4. Oktober zunächst in der Doppelstadt sowie in Greven und Münster Verbindungen schaffen wird. Diese App wird eine Gruppe namens „We – one World“ nutzen, um Gutes zu tun.“

Die Gruppe um Karin Fraune aus Münster und Niklas Böckmann aus Wiedenbrück existiert erst seit wenigen Wochen und sorgte zunächst mit einer Solidaritätsaktion für Aufsehen: So ließ man weiße Armbänder drucken, die denen, die die Menschen in den Notunterkünften tragen, zum Verwechseln ähnlich sehen. Mehr noch: Man suchte den Kontakt zu den Schutzsuchenden am Burgweg, frühstückte mit ihnen auf der Wiese und bemalte Transparente. Diese Begegnungen aber waren nur der Auftakt zu einem weitaus größeren Projekt.

Zunächst als Webversion

Es gibt viele Organisationen, Behörden und Vereine, die sich engagieren, dazu kommen etliche ehrenamtliche Helfer, Freiwillige und Privatpersonen, die gute Ideen haben und aktiv werden möchten. „Auf der anderen Seite gibt es die Flüchtlinge, die in Deutschland angekommen sind und Hilfe brauchen“, weiß Karine Fraune. Die App bringe all diese Menschen, Ideen und Organisationen zusammen, ergänzt Niklas Böckmann. 14 Tage inklusive so mancher Nachtschicht investierten die beiden Studenten und ihre Mitstreiter in die Entwicklung der Anwendung, die zunächst über die Internetseite der Initiative und ab Ende Oktober als App für Smartphones mit Leben gefüllt werden soll.

Auf andere Städte übertragbar

Eine Intention der Gruppe: Flüchtlingen in der Region helfen, die richtigen Anlaufstationen und Vorgehensweisen zu finden. Zweites Anliegen ist es, Angebote, Veranstaltungen und Spendenaufrufe zu bündeln beziehungsweise zu koordinieren. Übersichtlich gestaltet und zunächst in arabischer, deutscher sowie englischer Sprache verfügbar, führt die Anwendung Menschen zusammen. Zunächst wird sie für Rheda-Wiedenbrück, Münster und Greven angeboten. Da das Projekt noch über einen privaten Server läuft, reichen die Kapazitäten für mehr derzeit nicht aus. Gleichwohl sei es auf jede Stadt in diesem Land übertragbar und theoretisch auch für Herausforderungen anderer Art geeignet, wo Hilfe koordiniert werden muss.

Vereinsgründung in Vorbereitung

Sollte der Plan der Initiative „We – one World“, aus der in den nächsten Tagen ein Verein werden wird, aufgehen, wird binnen kürzester Zeit in den mit der App versorgten Städten ein großes Netzwerk entstehen. In diesem zunächst virtuellen Raum können Menschen auf Veranstaltungen hinweisen, Projekte ins Leben rufen, um Unterstützung bitten oder solche anbieten und sich Aktionen anschließen. Allen möglichen Institutionen bietet sich über diese Anwendung die Chance, ihr Wirken auf einer gemeinsamen Plattform zu organisieren. „Zudem wird die gezielte Suche nach Sachspenden vereinfacht“, erläutert Niklas Böckmann, der die App auf der Grundlage eines bereits bestehenden Gerüsts mit Karin Fraune geschaffen hat.

Zusammengehörigkeitsgefühl stärken

Auf der anderen Seite dürfte die Anwendung auch für die Flüchtlinge manches vereinfachen. Für sie sind zahlreiche Daten zu Beratungsstellen und Behörden eingepflegt worden, werden Grundzüge der deutschen Kultur und Verfassung erläutert sowie Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und zum Erlernen der deutschen Sprache eröffnet. „Verbindung und Integration sollen damit deutlich erleichtert werden“, sagt der 25-jährige Niklas Böckmann. „Oft besteht bei den Schutzsuchenden ein Gefühl von Unzugehörigkeit, das Mithilfe von gemeinsamen Erlebnissen, Aktionen und Aufgaben in ein positives Zusammengehörigkeitsgefühl transformiert werden kann“, hofft Karin Fraune (27).

Ohne Internet geht nichts

Um diese Ziele zu realisieren, ist das Internet unumgänglich. Die App wird deshalb nicht nur verschiedene Verbindungen von Gruppen herstellen, sondern auch freizugängliche Hotspots anzeigen. Das bedeutet, dass bereits bestehende Einwählknoten auf einer Karte angezeigt werden und neue hinzugefügt werden können. Café-Besitzer beispielsweise, die ihr WLAN zur Verfügung stellen, können einfach und schnell Hilfe leisten.

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