Stadt sperrt Teile des Schulgeländes
Bild: Sudbrock
Mit rot-weißem Flatterband sind Teile des Außenbereichs der Rhedaer Parkschule sowie ein Spielplatz am Donnerstagnachmittag von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs abgesperrt worden. Die 180 Jungen und Mädchen, die die Bildungseinrichtung besuchen, dürfen die Flächen vorerst nicht mehr betreten. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Eine akute Gefährdung wird ausgeschlossen.
Bild: Sudbrock

Bei den weiträumigen Absperrungen an der Parkschule handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es am Freitag auf Nachfrage aus dem Rhedaer Rathaus. Eine akute Gefährdung für die Schüler und das Lehrerkollegium bestehe nicht.

Bodenuntersuchung im Dezember

Die erhöhten PCB-Werte waren im Rahmen einer Bodenuntersuchung festgestellt worden. Diese hatte die Stadtverwaltung bereits im Dezember vor dem Hintergrund der geplanten baulichen Erweiterung der Bildungseinrichtung in Auftrag gegeben. Weil bekannt ist, dass sich in der Nähe der Parkschule eine ehemalige Haus- und Restmülldeponie befindet, wollte man im Vorfeld überprüfen, inwiefern der Boden möglicherweise belastet ist.

Das Ergebnis der Untersuchungen des von der Kommune beauftragten Fachbüros OWS Ingenieurgeologen liegt inzwischen auch dem Kreis Gütersloh vor. Während die Stadtverwaltung in Absprache mit dem Gutachterbüro zunächst davon ausgegangen war, dass eine Absperrung der Außenbereiche nicht zwingend erforderlich ist, kam die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises Gütersloh zu einer anderen Einschätzung. In einem Schreiben des Kreises an die Stadt vom Donnerstag, das der „Glocke“ vorliegt, heißt es, dass die betroffenen Bereiche „für die Nutzung als Kinderspielfläche“ zu sperren seien. Die dafür erforderlichen Maßnahmen sollten „unverzüglich“ eingeleitet werden.

Keine unmittelbare Gefährdung

In der Stellungnahme der Kreisverwaltung an die Stadt ist unter anderem von erhöhten B(a)P- und PCB-Messwerten im Bereich der Altablagerungen die Rede. Beide Stoffe stehen in Verdacht, in besonders starker Konzentration gesundheitsschädlich zu sein. Eine unmittelbare Gefahr besteht in Rheda aber wohl nicht. Das hat am Freitag auch die Schulleitung in einem Brief an die Eltern unterstrichen, der der „Glocke“-Reaktion vorliegt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben demnach am Donnerstagnachmittag auf Empfehlung des Kreises Teile der Spiel- und Außenflächen der Parkschule mit Flatterband abgesperrt.

„Die Kinder der Parkschule und deren Eltern wurden umfassend durch die Schulleitung darüber informiert, dass die Bereiche bis auf Weiteres nicht zum Spielen genutzt werden dürfen“, erklärt die Stadtverwaltung auf Nachfrage. Für kommenden Montag habe man kurzfristig einen Informationsabend anberaumt, zu dem alle Väter und Mütter eingeladen sind.

Kreis rät zu weiteren Analysen

„Untersuchungen zur Einschränkung des Belastungsbereichs“ schlägt der Kreis Gütersloh der Rheda-Wiedenbrücker Stadtverwaltung in seiner Stellungnahme für das weitere Vorgehen in der Angelegenheit vor.

Bereits im November hatte die Kommune gegenüber der „Glocke“ betont, dass für die vorgesehene Erweiterung der Parkschule „eine Dekontamination mittels Bodenaustausch auf dem betreffenden Teilstück“ erforderlich sei. Weiter heißt es: „Ein Sanierungsplan ist auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz vor schädlichen Bodenverunreinigungen und zur Sanierung von Altlasten (kurz Bundesbodenschutzgesetz) zu erstellen und den Fach- und Aufsichtsbehörden zur Genehmigung vorzulegen.“

Deponie im Jahr 1960 stillgelegt

Auf dem Areal zwischen Gütersloher Straße und Parkstraße betrieb die damalige Stadt Rheda in den Jahren 1952 bis 1960 eine Hausmülldeponie. Außer Siedlungs- und Gewerbeabfällen wurde auch Bauschutt in einer Bodensenke entsorgt.

Später wurde die Deponie verfüllt und zu einem innenstadtnahen Naherholungsgebiet mit Parkanlagen und Sportflächen umgebaut.

In den Jahren 1974 und 1975 entstand auf einem Teilstück des Altlastgebiets das damalige Evangelische Altenheim. Der Gebäudekomplex, der einst im Besitz der Evangelischen Stiftung Rheda war, beherbergt inzwischen moderne und barrierefreie Seniorenwohnungen.

Altlast schon teilweise saniert

Für das Altenheim entstand vor etwa zehn Jahren ein Neubau auf dem Eckgrundstück Gütersloher Straße/Parkstraße. Heute trägt die Betreuungseinrichtung nach einem Betreiberwechsel aufgrund der Insolvenz der Evangelischen Stiftung Rheda den Namen „Carpe Diem“. Im Zuge des Bauvorhabens wurde die Altlast seinerzeit in dem betreffenden Bereich untersucht und saniert beziehungsweise abgetragen. Ähnliches soll nun auch bei der Parkschule erfolgen.

Dass die Spätfolgen der Deponie nicht zu unterschätzen sind, war schon früher bekannt. Eine in den 1980er-Jahren für das gesamte Gebiet der ehemaligen Deponie durchgeführte Gefahrenabschätzung ergab laut Stadtverwaltung unter anderem erhöhte Konzentrationen von Methangas.

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