Stadt wirbt für Katzenkastration
Appell: Hans-Bernd Hensen, Nicole Pollklas-Thiele (beide Stadtverwaltung) und Ina Schweikardt (Pferdeschutzhof, r.) rufen zur freiwilligen Kastration von Katzen in Rheda-Wiedenbrück auf.

In Veterinärpraxen und Tierfuttergeschäften liegen ab sofort Broschüren aus, die auf die Problematik der unkontrollierten Katzenfortpflanzung in Rheda-Wiedenbrück aufmerksam machen. „Wir wollen Tierhalter für die Thematik sensibilisieren“, sagt Hans-Bernd Hensen vom städtischen Fachbereich öffentliche Sicherheit, Ordnung und Umwelt. Eine gesetzlich vorgegebene Pflicht zum Kastrieren freilaufender Katzen gebe es in der Doppelstadt aber nicht. „Wir setzen zunächst auf Freiwilligkeit und Einsicht“, sagt Hensen.

Moralische Verpflichtung

Eine moralische Verpflichtung zur Sterilisierung von Hauskatzen bestehe für jeden echten Tierfreund ohnehin, denn: „Unkastrierte, freilaufende Katzen paaren sich auf ihren Freigängen mit wildlebenden Katzen oder anderen Freigängern“, unterstreicht Hans-Bernd Hensen. Die Folge sei eine regelrechte Flut an Katzenbabys im Frühjahr und Herbst. Die Tiere ließen sich nur schwer vermitteln. „Folglich werden die Katzenjungen ins Tierheim gebracht oder ausgesetzt, was zu einer unkontrollierbaren Fortpflanzung führt.“

Ein nie endender Kreislauf

Diesen nie endenden Kreislauf wollen Ordnungsbehörde und Pferdeschutzhof „Four Seasons“, mit dem die Stadtverwaltung einen Vertrag über die Aufnahme von Fundtieren abgeschlossen hat, stoppen oder zumindest eindämmen. „Denn die nächste Geburtenwelle steht unmittelbar bevor“, weiß Ina Schweikardt, die den Pferdeschutzhof am Heideweg in Lintel gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet. 110 Katzen aus Rheda-Wiedenbrück seien allein im vergangenen Jahr bei „Four Seasons“ abgegeben worden. „Und gerade die Wiedervermittlung älterer Tiere gestaltet sich schwierig“, sagt Ina Schweikardt.

Die Einquartierung und ärztliche Versorgung von Fundkatzen aus Rietberg und Rheda-Wiedenbrück habe im vorigen Jahr zu einem Fehlbetrag von 15.000 Euro geführt. 400 streunende Stubentiger habe der Pferdeschutzhof im Jahr 2010 auf eigene Rechnung kastrieren lassen – ein erster Versuch, dem Problem der „wundersamen Katzenvermehrung“ Herr zu werden.

Verantwortung für Streuner übernehmen

Falsch verstandene Tierliebe sei es, umherlaufende Katzen zwar zu füttern, sich aber nicht um deren Kastration zu kümmern, sagt Hans-Bernd Hensen. Denn dadurch verschlimmere sich die Problematik zusehends. „Wer umherstreunende Katzen füttert, übernimmt nach Auffassung von Stadt und Pferdeschutzhof auch die Verantwortung für die Tiere. Und dazu zählt neben der medizinischen Versorgung selbstverständlich auch die Pflicht zur Kastration“, sagt Hensen. Der Aufruf zur freiwilligen Sterilisation von Katzen richte sich daher nicht nur an Tierhalter, sondern an alle, die Stubentiger füttern.

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