Tanita Tikaram bleibt auf Distanz
Bild: Kreyer
Mit britischer Zurückhaltung präsentierte sich die Britin Tanita Tikaram bei ihrem Gastspiel in Rheda.  
Bild: Kreyer

In ungewöhnlich sattes rotes Licht getaucht, erlebten dort 200 begeisterte Zuhörer die erfolgreiche Fortsetzung einer noch „namenlosen Reihe“ der Flora Westfalica, wie Flora-Geschäftsführer Ralf Hammacher zugeben musste. Im vergangenen Jahr war die Reihe mit Curtis Stigers gestartet. Nach einer Viertelstunde Wartezeit hüpft sie auf die Bühne, die jung gebliebene Geschichtenerzählerin. Es ist unverkennbar Tanita Tikaram, die in den vergangenen 25 Jahren, trotz acht veröffentlichten Alben, irgendwie verschwunden war.

Lockere Hose, weiße Bluse und wilde Mähne. Noch erinnern die geschlossenen Augen und das melancholisch angestimmte „Can You Tell Me“ an „die“ Zeiten. Sie zelebriert ihre Songs, wippt auf ihren großen flachen Schuhen hin und her. Ihre Stimme ist noch immer unwiderstehlich rau und dann wieder so weich. Mit „Can’t Go Back“ oder „My Love“ erzählt sie eine ihrer selbstironischen Geschichten. In einer gelungenen Mischung aus alten und neuen Songs wird sie begleitet von einem exzellenten Musiker-Trio. Genussvoll kann sie den ausschweifenden Saxofon-Solos von Martin Winning lauschen. Wenn sie nicht selbst zur Gitarre greift oder flugs zum Klavier eilt, lässt sie sich wie im „Cathedral Song“ virtuos von Bryan Day an der Gitarre begleiten. Den vollen Sound ergänzt Matt Radford am Bass. Der Musikstil lässt sich nur schwer beschreiben. Irgendwie ist es eine Wanderung zwischen Pop, Folk und Country und vielleicht gerade deshalb so zeitlos.

Wer will ihn nicht hören, den immer noch aktuellen und berührenden Hit? Noch heute ein Höhepunkt aus der eigenen Feder, lässt „Twist On My Sobriety“ das Publikum jubeln vor Freude. Tanita Tikarams Bühnenpräsenz, mit all den persönlichen Geschichten, ist atemberaubend. Emotional bleibt sie aber selbst in der intimen Atmosphäre der Orangerie auf Distanz. Stimmlich einfach klasse, jedoch mit britischer Zurückhaltung, präsentiert sie abschließend ein brandneues Lied. Das Konzert wäre ein perfektes Erlebnis gewesen, wäre da nicht die zu kurz geratene Spielzeit. Verwundert blickte so mancher Besucher, als Tanita Tikaram nach 75 Minuten lächelnd verschwand – ohne Autogramme zu geben oder sich fotografieren zu lassen. Der Applaus war vergeblich.

SOCIAL BOOKMARKS