Team bietet Hilfe aus einer Hand
Bild: Schulte-Nölle
Informationen aus einer Hand für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer bieten (v. l.) Carolin Post (Bundesfreiwilligendienst), Burcu Öcaldi, Evamaria Reckhaus und Mustapha Lafi vom Team Sozialarbeit.
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„Integration ist ein langwieriger Prozess. Damit er gelingt, braucht es eine tragfähige Struktur“, sagt Teamleiterin Öcaldi im Gespräch mit der „Glocke“. Eine Ist-Analyse bereits bestehender Programme für Flüchtlinge gehörte daher zu den ersten Aufgaben der dreiköpfigen Gruppe, die dem städtischen Fachbereich Soziales und Integration angegliedert ist und ihr Büro im Rhedaer Rathaus hat. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme ermutigte das Team. „In Rheda-Wiedenbrück gibt es zahlreiche Vereine, Verbände und Einzelpersonen, die sich – zumeist ehrenamtlich – für die Schutzsuchenden einsetzen“, weiß Öcaldi. Damit die unterschiedlichen Hilfeleistungen gezielt dort ankommen, wo sie benötigt werden, erfasst das Team Sozialarbeit Schritt für Schritt sämtliche Angebote und koordiniert sie anschließend aus einer Hand.

Umfangreiches Angebot für Flüchtlinge

Entsprechend umfangreich ist nach acht Wochen im Dienst bereits das Portfolio des Teams. Als erste Ansprechpartner übernehmen Mustapha Lafi und Evamaria Reckhaus die Beratung aller neu ankommenden Flüchtlinge in der Doppelstadt. Wie Lotsen navigieren der Erziehungswissenschaftler und die Migrationspädagogin die Hilfesuchenden durch die Bereiche Arbeit, Anerkennung von Abschlüssen, Bildung, Sprache sowie Kindererziehung und geben Tipps zur Freizeitgestaltung. „

Das Team Sozialarbeit ist erreichbar unter Telefon 05242/963256 (Burcu Öcaldi), Telefon 05242/963269 (Mustapha Lafi) oder Telefon 05242/963258 (Evamaria Reckhaus) sowie persönlich im Rathaus Rheda, Raum 156.
Wenn wir selbst nicht die passenden Informationen parat haben, vermitteln wir weiter an die jeweilige Fachstelle oder das zuständige Amt“, erklärt Lafi. Dazu gehört seit Kurzem auch der sogenannte Integrationpoint (Integrationspunkt) der Agentur für Arbeit. Die Beratung, die jeden Dienstag zwischen 9 und 16 Uhr im Rathaus Rheda angeboten wird, richtet sich an Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind. Das Team, das von der Bundesfreiwilligen Carolin Post unterstützt wird, informiert Ratsuchende jedoch nicht nur von seinem Büro aus. Öcaldi, Lafi und Reckhaus sind darüber hinaus regelmäßig in den Flüchtlingsunterkünften anzutreffen. „Bei den spontanen Zusammentreffen lassen sich Probleme häufig auf dem schnellen Dienstweg klären. Das ist für beide Seiten eine wertvolle Erfahrung“, sagt Evamaria Reckhaus.

Auch die Vermittlung von Sprachangeboten fällt in den Zuständigkeitsbereich des Teams Sozialarbeit. „Wenn keine Aufenthaltsgenehmigung vorliegt und die Flüchtlinge somit nicht an den Integrationskursen der VHS teilnehmen dürfen, nehmen wir Kontakt auf zu ehrenamtlich geführten Sprachkursen“, sagt Evamaria Reckhaus.

Unterstützung für Ehrenamtler

Für die Jüngsten vermittelt die Migrationspädagogin Plätze in Spielgruppen. Drei solcher Angebote für jeweils maximal zehn Flüchtlingskinder bis zum sechsten Lebensjahr gibt es zurzeit. Sie finden in Rheda in der Alten Emstorschule und in Wiedenbrück in der Awo-Kindertagesstätte Emssee sowie in der Heidbrinkschule statt. „Mithilfe der Gruppen können wir die Zeit überbrücken, bis der Nachwuchs in den Kindergarten geht oder von einer Tagesmutter betreut wird“, erklärt Reckhaus. Eltern von Flüchtlingskindern bietet sie zudem Informationsgespräche zum deutschen Bildungssystem an und gibt Hilfestellung beim Anmeldeverfahren an Schulen. Auf Wunsch begleitet die 47-Jährige zudem Jugendliche beim Einstieg in die Berufswelt.

Broschüre mit Qualifizierungsmaßnahmen

Einen großen Raum nimmt die Koordination und Begleitung von Ehrenamtlichen ein. In den vergangenen acht Wochen hat Burcu Öcaldi nicht nur die einzelnen Akteure miteinander verzahnt, sondern auch die Bedarfe der Ehrenamtler ermittelt. „Dabei hat sich unter anderem gezeigt, dass sich viele der engagierten Bürger mehr Handlungskompetenzen wünschen“, sagt die Teamleiterin. Aus diesem Anliegen ist nun eine Qualifizierungsreihe zu verschiedenen Themenbereichen entstanden. Ehrenamtliche erhalten zum Beispiel Informationen zur aktuellen Rechtslage bei Fragen des Aufenthaltsstatus’ und lernen, welche Zugänge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt dem Flüchtling auf dieser Grundlage offen stehen. Alle Angebote sind in einer Broschüre zusammengefasst, die unter anderem im Büro des Teams Sozialarbeit erhältlich ist.

Die Maßnahme sei ein Bestandteil zur schrittweisen Professionalisierung des Ehrenamts, sagt Öcaldi. Ziel sei es, noch mehr Qualität in das Engagement hineinzubringen, um Nachhaltigkeit zu schaffen. „Das geht aber nur, wenn wir regelmäßig über Bedarfe und Ressourcen sprechen.“

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