Tempo 30 zum Schutz von Kindern
Die Bundesländer wollen über eine generelle Tempo-30-Vorschrift vor Schulen, Kindertagesstätten und Krankenhäusern entscheiden.

Würde das Limit eingeführt, würde die Geschwindigkeit an zahlreichen Stellen in Rheda-Wiedenbrück erheblich gedrosselt. Was manchen Autofahrer möglicherweise ärgert, wird von den Leitern jener Einrichtungen, die an vergleichsweise schnellbefahrenen Strecken liegen, begrüßt. Denn längst nicht jeder alle Besucher oder Mitarbeiter von Kindergärten oder Schulen in der Doppelstadt, von Altenheimen oder dem Sankt-Vinzenz-Hospital können darauf vertrauen, dass vor den Türen der Einrichtungen der Kraftverkehr in langsamem Tempo vorbeizieht.

Wer glaubt, am Ratsgymnasiums müsse sich wegen des Nordrings etwas tun, ebenso an der Ernst-Barlach-Realschule, an den Berufskollegs (Am Sandberg) sowie an der Grundschule Eichendorff-Postdamm (Ostring), der irrt. Denn die Rede ist derzeit von einem Limit vor den Schulen, nicht daneben. Und in dieser Beziehung hat man in der Stadt die Hausaufgaben gemacht. Andere Einrichtungen hingegen dürfen darauf hoffen, dass Autofahrer künftig per Gesetz dazu verpflichtet sind, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Begrüßt würde das beispielsweise im Sankt-Vinzenz-Kindergarten an der Rietberger Straße. Leiterin Beate Hustert: „Die derzeit erlaubten 50 Stundenkilometer vor unserer Haustür sehe ich sehr kritisch. Zwar gibt es einen Zebrastreifen in der Nähe, der aber häufig von Verkehrsteilnehmern übersehen wird.“ Polizeikontrollen fänden viel zu selten statt, sagt die Erzieherin. „Und wenn, dann zu Uhrzeiten, zu denen unsere Einrichtung geschlossen ist. Tempo 30 wäre insofern wünschenswert.“

Sandra Wohlgemuth, Leiterin der Tagesstätte „Tausendfüßler“ am Ostring, beobachtet das Geschehen vor der Haustür mit Sorge. Für Eltern, die den Parkplatz der Einrichtung verließen, sei die Straße schlecht einsehbar – unter anderem, weil die Fahrbahnränder oft zugeparkt seien. „Allerhöchstens Tempo 30“, sagt sie.

Nach Einrichtung von Verkehrsinseln und Zebrastreifen im Bereich des Kindergartens habe sich Einiges zum Besseren entwickelt, sagt die Leiterin der Einrichtung St. Christophorus in Batenhorst. In ihren Anfangsjahren sei das völlig anders gewesen. Zu der Zeit konnten die Autos noch mit 50 Stundenkilometern das Gelände des Kindergartens passieren.

In Rheda-Wiedenbrück herrsche bereits vor allen Schulen das Tempolimit 30, bei den meisten Kindergärten (außer Tönnies/DRK-Kindertageseinrichtung, GNU-Waldkindergarten, Kindertageseinrichtung St. Vinzenz und Integrative Kindertageseinrichtung „Tausendfüßler“) sowie Krankenhäusern und Seniorenheimen ebenfalls, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Betonung liegt dabei auf dem „vor“.

„Falls der Gesetzesvorschlag angenommen und die Straßenverkehrsordnung daraufhin geändert werden muss, muss die Stadt Rheda-Wiedenbrück die Beschilderung mit Tempolimit 30 an allen noch fehlenden Stellen anordnen“, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Maximliane Plöger. Vorab kläre die Abteilung Verkehrsangelegenheiten noch offene Fragen, zum Beispiel, ob zu Seniorenheimen auch Seniorenwohnungen beziehungsweise betreutes Wohnen gehören.

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