Tönnies: „Börsengang im Sinne des Friedens“
Bild: Evers
Will an die Börse gehen: Fleischfabrikant Clemens Tönnies hat am Sonntag angekündigt, dass der Konzern in fünf bis spätestens zehn Jahren reif für den Schritt ist.
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Die Zeit sei jetzt noch nicht reif. „In spätestens zehn Jahren muss es aber so weit sein“, sagte Tönnies am Sonntag in dem TV-Interview beim Sender Phoenix wörtlich. Tönnies brachte den Börsengang in einen Zusammenhang mit den aktuellen Familienstreitigkeiten. „Wir geben große Vorteile des Familienunternehmens auf“, räumte der Unternehmenschef ein. Das Interview wird am Sonntag, 18. November, um 17 Uhr wiederholt.

Tönnies ging erstmals vor laufenden Kameras auf den Zwist in seiner Familie ein. In dem Fleischkonzern tobt seit etwa einem Jahr ein Kampf um Gesellschafteranteile. Clemens und sein Neffe Robert halten jeweils 50 Prozent an dem Unternehmen. Robert fordert einen fünfprozentigen Firmenanteil zurück, den er Clemens Ende 2008 überlassen hatte. Der Neffe wirft seinem Onkel groben Undank vor, weil dieser sich privat an Schweinemastbetrieben in Russland sowie an Deutschlands größtem Wursthersteller Zur Mühlen beteiligte.

Ein Anwalt profitiert gewaltig

„Wir hatten eigentlich ein gutes Verhältnis“ sagte der 56-jährige Firmenchef im Fernseh-Interview in Bezug auf seinen Neffen Robert und seine Schwägerin Evelin. Es gebe aber einen Anwalt der aus kleinen Streitigkeiten große mache. „Der profitiert davon selbst gewaltig“, betonte Clemens Tönnies.

Tönnies wies den Vorwurf des Undanks zurück. Zum Zeitpunkt des Todes seines Bruders Bernd im Jahr 1994 habe das Unternehmen eine Eigenkapitalquote von 4,12 Prozent bei einem Umsatz von umgerechnet 500 Millionen Euro gehabt. Heute setze Tönnies 5 Milliarden Euro um – bei einer Eigenkapitalquote von 60 Prozent.

„Wir bleiben erfolgreich“

„Wir haben einen Riesen-Erfolg auf die Beine gestellt – und bleiben weiter erfolgreich“, betonte der Manager. Er habe 40 Jahre lang hart im Sinne der Familie und des Unternehmens gearbeitet. Sein Aufruf an die Mitarbeiter: „Habt Vertrauen. Der Streit nervt, aber er geht nicht an die Substanz.“

„Müssen uns breiter und besser aufstellen“

Fleischfabrikant Clemens Tönnies sieht das Unternehmen auf einem Weg weg vom Schlachtbetrieb hin zu einem breit aufgestellten Konzern. „Wir müssen uns immer breiter und besser aufstellen“, sagte der 56-Jährige mit Blick auf einen Börsengang. Vor allem bei den Schlacht-Nebenartikeln gebe es noch großes Potenzial, etwa bei der Verarbeitung von Blut, bei Futtermitteln und Heparin. Dieser gerinnungshemmende Stoff wird als Blutverdünner eingesetzt und aus Schweinedärmen gewonnen.

Zwei Betriebe werden im Gewerbegebiet Aurea angesiedelt

Wie die „Glocke“ aus Konzernkreisen erfahren hat, will Tönnies im Gewerbegebiet Aurea zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück zunächst zwei Produktionsstätten ansiedeln. Eine übernimmt die Herstellung von Heparin, die zweite erzeugt Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere. Dem Tönnies-Konzern gehört bereits eine etwa 15 Hektar große unbebaute Fläche in dem Gewerbegebiet.

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