Tönnies: Direkteinstellungen ab September
Schlachtung und Zerlegung sind bei Tönnies in Rheda wieder angelaufen. Am Montag hat das Unternehmen einen 25-Punkte-Plan zur dauerhaften Verbesserung der Wohn- und Arbeitsbedingungen seiner Beschäftigten vorgelegt.

Tönnies will eigenen Angaben zufolge in einem ersten Schritt 1000 bisherige Werkvertragsbeschäftigte direkt einstellen. Bis Ende des Jahres sollen alle Mitarbeiter, die in den Kernbereichen des Unternehmens sind, feste Arbeitsverträge bekommen. Dazu wurden in den vergangenen Tagen etwa 15 neue Tönnies-Tochterunternehmens ins Handelsregister eingetragen. Konzernsprecher Dr. André Vielstädte: „Um die Mitarbeiter in den unterschiedlichen Produktionsunternehmen in direkten Töchtern anstellen zu können, haben wir die Neugründungen vorgenommen.“

15 Einzelunternehmen gegründet

Dass es gleich 15 Einzelunternehmen sein müssen, erklärt Vielstädte so: „Da wir bei einem Unternehmen unserer Größenordnung über eine Vielzahl von Gesellschaften reden, kommt diese Zahl zustande.“ Eine digitale Zeiterfassung soll am Standort Rheda bereits zum 1. August flächendeckend eingeführt werden.

Die Gewerkschaft NGG bleibt kritisch. Armin Wiese, zuständig für die Region Detmold-Paderborn, vermutet, dass durch die Gründung der zahlreichen Untergesellschaften zur Direkteinstellung bisheriger Werkvertragsarbeiter die Gründung von Betriebsräten erschwert werden solle. „Tönnies könnte die neuen Mitarbeiter auch direkt in seiner Hauptgesellschaft einstellen“, sagt Wiese. Seine Gewerkschaft werde die weitere Entwicklung genau beobachten. Vom Gesetzgeber fordert er ein Verbot auch für unternehmensinterne Werkverträge und Leiharbeit.

Fleischkonzern schafft Wohnraum

Für die künftig festangestellten Produktionsmitarbeiter will Tönnies zeitnah Wohnraum schaffen. Bis Anfang September sollen demnach in Rheda-Wiedenbrück 400 Wohnplätze vorgehalten werden. Dazu habe man zwei Wohnungsgesellschaften gegründet.

Clemens Tönnies sieht in dem Sofortprogramm einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung des Konzerns. „Wir haben festgelegt, wie wir Werkvertragsarbeiter direkt einstellen, schnellstmöglich neuen Wohnraum für sie schaffen und sicherstellen, dass wir in der Pandemie unsere Mitarbeiter schützen, um weiterhin hochwertige Fleisch- und Wurstprodukte herzustellen.“

Gewerkschaft bleibt wachsam

„Tönnies muss sich anstrengen, damit ihm nicht die besten Mitarbeiter von der Fahne gehen“, sagt Armin Wiese. Zahlreiche Unternehmen in der Region buhlten um sie – „in der Regel mit höheren Stundenlöhnen und besseren Arbeitsbedingungen“. Zu diesen Mitbewerbern um Arbeitskräfte gehöre seit Kurzem auch der Internethändler Amazon, der in Oelde ein Logistikzentrum eröffnet hat.

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