Tönnies-Poker: Zwei Bewerber im Rennen
Verkaufsgerüchte erhalten neue Nahrung: Zwei Konzerne sind angeblich noch an einer Übernahme des Rhedaer Fleischriesen interessiert. Für diese könnte es in den kommenden Monaten im wahrsten Wortsinn im Bieterpoker um die Wurst gehen.

Um die sprichwörtliche Wurst geht es demnach jetzt nur noch für zwei ebenso wie Tönnies milliardenschwere Konzerne. Dabei soll es sich um den brasilianischen Schlachtriesen JBS und den Lebensmittelgiganten Uni-President aus Taiwan handeln. Andere Mitbewerber wie der US-amerikanische Konzern Tyson Foods haben sich hingegen offenbar aus dem Bieterpoker um Tönnies verabschiedet.

Brasilianer zuletzt stark gewachsen

Laut Medienberichten sollen die Gespräche mit den verbliebenen potenziellen Investoren den Sommer über fortgesetzt und danach zeitnah zum Abschluss gebracht werden. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass ein Verkauf der Tönnies-Holding – sollte er denn tatsächlich zustande kommen – bis zu vier Milliarden Euro bringen könnte. JBS ist einer der größten Mitbewerber von Tönnies auf dem hart umkämpften Fleischmarkt. Die Brasilianer sind in jüngster Zeit durch den Aufkauf namhafter Unternehmen aus Australien und Großbritannien stark gewachsen.

JBS soll der größte Fleischproduzent der Welt sein – und spielt offenbar mit dem Gedanken, sich auch die 1971 gegründete Tönnies-Gruppe einzuverleiben.

Keine Bestätigung, aber auch kein Dementi

Offizielle Bestätigungen, ob es tatsächlich ein Bieterverfahren um Deutschlands größten Fleischkonzern hinter verschlossenen Türen gibt, sind bislang ausgeblieben. Im März kamen die ersten Berichte über angebliche Verkaufsverhandlungen auf. Auch am Donnerstag war bei Tönnies in Rheda keine Stellungnahme zu erhalten. Zu derartigen Spekulationen äußere man sich grundsätzlich nicht, sagte Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier auf Anfrage dieser Zeitung.

Corona-Ausbruch jährt sich

Spätestens seit dem massenhaften Corona-Ausbruch im Stammwerk Rheda mit mehr als 1400 Infizierten vor einem Jahr ist Tönnies nicht nur an den Esstischen der Nation in aller Munde. Seitens der Politik und in der Öffentlichkeit hagelte es damals massenhaft Kritik. Der Konzern mit 16.500 Mitarbeitern erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro.

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