Tönnies setzt auf neue Geschäftsfelder
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Deutschlands größtes Fleischunternehmen Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz gesteigert. Zu kämpfen hat Tönnies nach eigener Aussage aber mit dem US-Handelsstreit zwischen den USA und China.
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„Die Einigung setzt im Unternehmen Kräfte frei“, sagte Andres Ruff, Geschäftsführer der Tönnies Holding. Ruff vertritt die Seite von Mitgesellschafter Robert Tönnies, der seinen Onkel Clemens über Jahre hinweg mit Klagen überzogen hatte. Firmenpatriarch Clemens Tönnies, ebenso wie Ruff Geschäftsführer der Holding, bestätigt die positive Einschätzung. „Wir haben einen Haken unter die Sache gemacht.“

Das Umfeld ist für Fleischunternehmen nicht einfach. Strafzölle, Importbeschränkungen und der Trend zur Reduzierung des Fleischkonsums belastet die Branche – Tönnies konnte die Zahl der Schlachtungen bei Schweinen (20,6 Millionen Tiere, plus ein Prozent) dennoch steigern. Das Unternehmen gehört damit weltweit zu den fünf größten Schweineschlachtern.

Qualität durch Innovationen

Mit Produktinnovationen stemmt sich Tönnies gegen den Trend. So ist das Schweinefleisch durch eine besondere Kühltechnik besonders zart und verliert in den Packungen keine Flüssigkeit: „Das honoriert der Handel“, sagt Clemens Tönnies. Nach seinen Angaben hat das Unternehmen bei Schweinefleisch in Deutschland einen Anteil von mehr als 30 Prozent.

Als neuen Auslandsmarkt fasst der Konzern Mexiko ins Auge. Die Zulassung für Fleischlieferungen hätten die zuständigen Behörden erteilt. Erste Fleischcontainer habe man bereits exportiert, sagte der 62-Jährige.

Clemens Tönnies: „Mir schmeckt eine vegetarische Grillwurst einfach nicht“

Keine große Zukunft gibt Tönnies dem Veggie-Trend: „Mir schmeckt eine vegetarische Grillwurst einfach nicht“, sagte der Firmenpatriarch. Das gelte seiner Ansicht nach ebenso für die Mehrheit der Verbraucher. Sein Sohn Maximilian, Geschäftsführer des Wurstherstellers Zur Mühlen, hat trotz der Skepsis des Vaters sieben vegetarische Produkte auf den Markt gebracht. Immerhin eines davon – eine vegetarische Fleischwurst – verkaufe sich gut.

Wollen das Unternehmen voranbringen: (v. l.) Maximilian Tönnies, sein Vater Clemens und Andres Ruff stellten gestern in Rheda-Wiedenbrück die Bilanz des Tönnies-Konzerns sowie Zukunftsthemen vor. Bild: dpa

Zusätzliche Erlöse verspricht sich Tönnies von neuen Geschäftsfeldern. Seit Anfang des Jahres verkauft das Unternehmen Tierfutter: Dosennahrung für Hunde und Katzen. Einsteigen will der Konzern in den kommenden Jahren auch in die Gelatine-Herstellung. Der Rohstoff wird für Gummibärchen und für Medikamente benötigt. Eine Fabrikationsstätte könnte nach Aussagen von Tönnies im Gewerbegebiet Aurea zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück errichtet werden.

Rindfleisch immer beliebter

Während der Schweinefleisch-Konsum in Deutschland sinkt, wird Rindfleisch immer beliebter. Der Tönnies-Konzern schlachtete im vergangenen Jahr 432 000 Tiere, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Mitte vergangenen Jahres übernommene Schlachthof in Badbergen (Landkreis Osnabrück) soll in den kommenden drei bis vier Jahren zum zentralen Rinderschlacht- und Zerlegebetrieb des Konzerns ausgebaut werden.

„An dem Standort gab es einen Investitionsstau“, räumte Firmenchef Clemens Tönnies gestern ein. Nun werde man 80 Millionen Euro investieren. Bis zu 5000 Rinder könnten derzeit in Badbergen wöchentlich geschlachtet werden.

Tönnies hat Rindfleisch erst in den vergangenen Jahren für sich entdeckt und ist mittlerweile der drittgrößte Rinderschlachter in Deutschland. Weitere Rinderschlachthöfe betreibt Tönnies in Wilhelmshaven und in Kempten im Allgäu.

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16.04.2018, Nordrhein-Westfalen, Rheda-Wiedenbrück: Der Eigentümer der Tönnies Holding ApS & Co. KG., Clemens Tönnies (M), Mitgesellschafter und Sohn Maximilian Tönnies (l), und der Co-Vorsitzende Andres Ruff (r) stellen die Bilanz der Unternehmensgruppe 2017 vor. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++