Tönnies zeigt Richtern die Produktion
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Der Fleischfabrikant und Schalke-Aufsichtsratchef Clemens Tönnies blickt am Mittwoch vor der Besichtigung seiner Fabrik durch das Landgericht Essen in die Runde. 
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Fleischunternehmer Clemens Tönnies hat dem Essener Landgericht die Produktion von gemischtem Hackfleisch demonstriert. Seit etwa drei Monaten muss sich Tönnies wegen des Verdachts der Falsch-Etikettierung von Hackfleisch vor der 21. Strafkammer verantworten. Bei der fast dreistündigen Führung durch die Tönnies-Fleischfabrik konnten sich die Richter am Mittwoch nun selbst ein Bild von den Gegebenheiten machen.

Exakte Mischungsverhältnisse nahezu ausgeschlossen

Vor allem der Produktionsleiter wies immer wieder darauf hin, dass es nahezu ausgeschlossen sei, im Produktionsprozess exakte Mischungsverhältnisse zu erreichen. „Sie sehen es doch selbst: Jedes Tier ist anders, das eine magerer, das andere fetter", sagte der Angeklagte. Um beim Misch-Hack stets einen gleichbleibenden Fettanteil zu erzielen, sei es deshalb fast schon zwangsläufig vorgekommen, dass die Anteile von Rind- und Schweinefleisch variiert hätten.

Clemens Tönnies erklärte während des Rundgangs, bei dem alle Beteiligten weiße Hygiene-Schutzanzüge und Gummistiefel tragen mussten: „Es ist sehr wichtig für mich, dem Gericht zu verdeutlichen, was Fleischproduktion wirklich bedeutet.“

Gericht gibt noch keine Bewertung ab

Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel wollte im Anschluss an den Ortstermin keine Bewertung abgegeben. "Wir haben uns die Produktion im Jahr 2011 angesehen. Inwiefern dies Rückschlüsse auf den Stand des Anklagezeitpunktes Ende 2007 zulässt, muss erst die weitere Einbettung in den Kontext zeigen", sagte er. Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt. 

Zwischen 2005 und 2007 sollen Millionen Packungen Misch-Hack verkauft worden sein, bei denen der Rindfleischanteil geringer war, als angegeben. Tönnies und sein mitangeklagter Produktionsleiter hatten dies mit produktionsbedingten Besonderheiten erklärt.

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