Vatikanexperte plaudert aus dem Nähkästchen
Bild: Kinder
Viele Besucher waren die St.-Aegidius-Kirche in Wiedenbrück gekommen, um dem Vatikanexperten Andreas Englisch zuzuhören.
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Der Mann am Podium hatte die Sympathien auf seiner Seite. Wie im Flug verging die Zeit, in der der Journalist Einblicke in seine Arbeit für und mit den drei Päpsten im Vatikan gewährte. Aufgrund der hohen Nachfrage hatten die Organisatoren um Pfarrdechant Meinolf Mika, Kantor Jürgen Wüstefeld und Dr. Burkhard Löher vom Oelder Veranstaltungsbüro „Kulturdirektion“ den Vortrag vom Gemeindehaus in die Kirche verlegt. „Mehr als 350 Karten haben wir verkauft“, lobte Burkhard Löher. Die Besucher wurden nicht enttäuscht. Aufrichtig berichtete Andreas Englisch von seinen Kontakten und Begegnungen mit den Päpsten. Als „Dönekes“ bezeichnete Pfarrdechant Mika die Geschichten und Anekdoten, die Englisch mit seinem Blick „hinter die Kulissen“ des Vatikans zum Besten gab. „Sie zeigen uns damit ein anderes, menschliches Bild von Kirche.“

Papst sorgt für frischen Wind

Papst Franziskus sorge laut Englisch für „frischen Wind“, von ihm handelt auch sein neues Buch. Eine „Revolution“ habe er seit seinem Amtsantritt vollzogen: Er zog nicht, wie vorgesehen, in die päpstliche Wohnung, sondern lebe im Hotel. Zudem esse er mit den Kardinälen in der Mensa. Den entscheidenden Punkt sieht Englisch im vorigen Osterfest: „Franziskus kam zu Fuß vom Gästehaus der Kardinäle und trug sein aus Buenos Aires mitgebrachtes Gewand überm Arm“, beschrieb er. „Er weigerte sich die traditionelle Kleidung anzuziehen und schritt in seiner eigenen Robe vor die Gläubigen auf dem Petersplatz.“ Seine Nähe zu den Menschen sei herausragend. Der Vatikanexperte nahm sich Zeit, Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Danach gefragt, wie anerkannt Franziskus im Vatikan sei, erwiderte Englisch, dass 70 Prozent der Geistlichen dort gegen das Oberhaupt seien. Für Franziskus stehe die Seelsorge und der Kontakt zu den Menschen in Vordergrund, weniger die Beschäftigung mit der theologischen Wissenschaft, was seinen Gegner missfiele. „Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit“ ist sich Englisch dennoch sicher. Als „einfach einmalig“, beschrieb eine Besucherin den Abend. Sie ließ sich ihr Buch von Englisch signieren. „Er ist so ehrlich, das finde ich toll.“ Ähnlich sah es auch Wilhelm Schneider „Ich kannte ihn aus dem Fernsehen. Ihn so hautnah kennenzulernen, war beeindruckend.„

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