Verwaltung will kein „Matratzenlager“
Bild. von Stockum
Am Großen Wall 21 in Rheda steht dieses Fachwerkhaus, das die Stadt im vergangenen Jahr erwarb und und wieder verkauft. Bestimmte Nutzungsformen sind inzwischen ausgeschlossen.
Bild. von Stockum

Dass eine Stadt Immobilien erwirbt, ist gar nicht so selten. Meist möchte sie damit ihre Gestaltungshoheit sichern. Dass sie ein Objekt nach kürzester Zeit allerdings wieder abstößt, ist bemerkenswert. Aber sie hat erreicht, was es zu erreichen galt.

Niedriger sechsstelliger Betrag als Kaufsumme fällig

Die Rede ist von dem denkmalgeschützten Objekt am Großen Wall 21 in der Rhedaer Altstadt. Erst 2018 erworben, steht es bereits wieder zum Verkauf. „Sie suchen ein attraktives Wohnhaus in historischem Umfeld? Dann haben wir für Sie genau das Richtige“, preist die Verwaltung mittels Zeitungsinserat das renovierungsbedürftige 120-Quadratmeter-Gemäuer von 1855 an. Gebote werden bis Mitte Oktober angenommen. 135.000 Euro ist das Minimum, das man zu zahlen bereit sein muss.

Die Tatsache, dass die Stadt überhaupt bei diesem Haus zugeschlagen hatte, liegt in einem Antrag der Altstadtinitiative Rheda begründet. Sie hatte die Verwaltung darum gebeten, dass sie bei Immobiliendeals im historischen Kern von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen solle.

Verwaltung fürchtet Bauruine

Schließlich sei vermehrt zu beobachten gewesen, dass sanierungsbedürftige Objekte zu „Matratzenlagern“ für Werkvertragsarbeiter umfunktioniert und dadurch derart heruntergewirtschaftet würden, dass letztlich kaum noch renovierungswerte Bauruinen übrig blieben.

Ziel sei es gewesen, sich Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Innenstadtentwicklungskonzepts (Isek) Rheda zu verschaffen, antwortet die Pressestelle im Rathaus auf die Frage, warum das Haus überhaupt erworben worden sei. So hat die Kommune die kurze Zeit als Eigentümerin des Objekts genutzt, Vorkehrungen zu treffen – eine Sammelunterkunft wird dort nicht entstehen können.

Altstadt soll als Wohnstandort gestärkt werden

Denn zum einen will die Stadt das Haus nur zur Eigennutzung an einen von ihr ausgewählten Interessenten verkaufen, zum anderen stellt sie durch Eintragung im Grundbuch sicher, dass keine Vermietung oder gewerbliche Nutzung möglich sind.

„Ziel ist es gemäß dem Isek, die Altstadt als Wohnstandort zu stärken“, heißt es schriftlich aus dem Rathaus. Dieser Weg könnte Schule machen. Abhängig von Standort, Gebäudeart und -zweck sowie anderen Faktoren werde der Ausschuss für Grundstücke und Gebäude jeweils Einzelfallentscheidungen treffen.

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