Videoüberwachung wird zum Verhängnis
Nicht die feine Art: Trotz diverser Hinweisschilder auf die Videoüberwachung fühlte sich der Mitarbeiter des Ordnungsamts offenbar unbeobachtet und urinierte auf einem Privatgrundstück in Wiedenbrück in die Hecke. Der Zwischenfall hätte vermutlich kaum Aufmerksamkeit erregt, wären die Bilder nicht auch an einen Kölner Privatsender weitergeleitet und dort ausgeschlachtet worden.

Das vor neugierigen Blicken geschützt Backsteinhaus von Waldemar B. steht auf einem Eckgrundstück in Wiedenbrück, einem Ort, wo mancher Nachbar mit gepflegten Rabatten auffällt, der technikbegeisterte Handwerker hingegen mit deutlichen Hinweisschildern: auf die Videoüberwachung und auf den Deutschen Schäferhund, der jeden Besucher aufmerksam registriert. 

Juristisch einwandfrei

Alles juristisch einwandfrei, sagt Waldemar B., und legt einen ganzen Schwung Papiere auf den Couchtisch. Wenn erstmal jemand behauptet, ein Privatmann filme öffentliche Bereiche, kommt da schon einiges an unangenehmer Post zusammen. War aber nicht so bei Waldemar B., und deshalb darf der 56-Jährige sein Grundstück weiterhin so überwachen, wie er es für richtig hält: mit Kameras. Und die haben jüngst eine Szene eingefangen, die Waldemar B. wenigstens kurzzeitig die Aufmerksamkeit eines Kölner Privatsenders bescherte. 

So wurde Haus von Waldemar B. in den Tagen nach dem massenhaften Coronaausbruch bei Tönnies mehrfach von Vertretern des öffentlichen Diensts aufgesucht – alles hübsch aufgezeichnet von den Kameras. Anlass für die wiederkehrenden Kontrollen bot ein Mieter von einer der Wohnungen in dem Eckhaus, der offenbar beim Schlachtbetrieb beschäftigt ist und unter Quarantäne stand. 

In die Hecke uriniert

Bei einer dieser Visiten – es war der 30. Juni – klingeln ein Vertreter des Ordnungsamts und ein Begleiter bei dem besagten Mieter, erneut vergebens. Niemand öffnet. Wie auch, schließlich war er arbeiten, meint Waldemar B. Also ziehen die beiden Männer nach zweieinhalb Minuten von dannen, allerdings nicht gänzlich unverrichteter Dinge: Bevor er aus dem Bild verschwindet, geht der Ordnungsamtsmitarbeiter einem allzu menschlichen Bedürfnis nach und erleichtert sich – vermeintlich unbeobachtet – an der Hecke. 

Folgenschwere Kleinigkeit

Das Videomaterial, das den Ordnungsamtsmitarbeiter der Stadt Rheda-Wiedenbrück dabei zeigt, wie er in die Hecke auf dem Grundstück von Waldemar B. uriniert, ist nicht ohne Folgen geblieben. Der Mann, der wie viele andere auch in einer beispiellosen Ausnahmesituation wochenlang von Haus zu Haus gezogen ist und unter anderem die Einhaltung der Quarantänebestimmungen kontrollierte, muss nun personalrechtliche Maßnahmen fürchten. Das geht aus einer Stellungnahme des Ersten Beigeordneten Dr. Georg Robra hervor, die auf Anfrage der FDP an die Ratsmitglieder versendet worden ist.

Mitarbeiter entschuldigt sich

Der städtische Mitarbeiter räumte sein Fehlverhalten ein und bat bei Waldemar B. sowie dem Mieter um Entschuldigung, übermittelt durch den Vorgesetzten des Ordnungshüters. Zuletzt suchte eigenen Angaben zufolge auch Robra das persönliche Gespräch. Er bedaure die öffentliche Wahrnehmung der Verwaltung durch diese Angelegenheit und versichere, „dass es sich hierbei um einen zweifellos kritikwürdigen Einzelfall handelt“. 

Der Erste Beigeordnete weiter: „Das Gros der Mitarbeitenden hat sich in dieser für die Stadt Rheda-Wiedenbrück einzigartigen Krisensituation durch beispiellosen Einsatz und großes Engagement ausgezeichnet.“ Das dürfe nicht durch das Fehlverhalten Einzelner geschmälert werden.

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