Villa Weinberg soll verkauft werden
Bild: Sudbrock
Der Lack ist ab: Schon lange ist die denkmalgeschützte Villa Weinberg im Zentrum von Rheda kein Schmuckstück mehr.
Bild: Sudbrock

Das Ansinnen der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, dort zumindest zeitweise eine Ausstellung zum jüdischen Leben im Ort zu installieren, fällt auf keinen fruchtbaren Boden. Die Idee der Partei war, der Öffentlichkeit in den Räumen ohne großen Aufwand etwas noch nicht Dagewesenes zu bieten und mit Hilfe des Publikumsverkehrs den Druck auf den Eigentümer zu erhöhen, die Villa zu sanieren.

Der Zustand des Gemäuers schreie förmlich danach, dass etwas getan werden müsse, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Henkenjohann während der jüngsten Sitzung des Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses. Gleichwohl schaffe man mit einer Ausstellung zum jüdischen Leben in Rheda lediglich eine Interimslösung, „die unsere Stadt kein Stück weiter bringt“.

Viel schwerwiegender ist allerdings, dass selbst für eine temporäre Nutzung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vonnöten wären, für die niemand die Kosten übernehmen möchte. Auch Fördermöglichkeiten scheint es unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zu geben: Mit diesem Ergebnis kehrten Vertreter der Stadtverwaltung von einem Gespräch mit Verantwortlichen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zurück. Unter anderem unterstütze man temporäre Lösungen aus Gründen der fehlenden Nachhaltigkeit nicht. Zudem unterliege eine jegliche Förderung der sogenannten Bindungsfrist, die für Baumaßnahmen 20 Jahre und für Einrichtungsmaßnahmen immerhin noch die Hälfte beträgt.

Die kurzzeitige Nutzung der Weinberg-Villa als Ausstellungsort scheitert nicht nur am Geld, sondern auch am Material. Die alleinige Übernahme von Schautafeln, sagt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), biete keine ausreichende Substanz für ein Museum oder eine Gedenkstätte mit musealem Bestand, was jedoch Voraussetzung für eine Förderung sei. „Es mangelt an adäquaten Objekten und an interessanten Vermittlungsangeboten für die Besucher, die zunächst zu konzipieren wären, um die Inhalte ansprechend und den heutigen Seh- und Erlebnisgewohnheiten gemäß zu vermitteln“, erläuterten am Donnerstag Vertreter der Stadtverwaltung während der Sitzung des Fachausschusses. Der LWL kalkuliere hierbei allein als Kostenrahmen für die Einrichtungsmaßnahme einen mittleren Wert von 1000 Euro je Quadratmeter. „Dabei ist etwa die Erstellung eines Konzepts und notwendige bauliche Maßnahmen noch nicht berücksichtigt“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

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