„Volkshilfe“ räumt Spielplatz auf
Bild: von Stockum
Zigarettenkippen und volle Mülleimer sind Anwohnern des Spielplatzes am Rhedaer Rathaus seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Jetzt hat der vom Verfassungsschutz beobachtete Verein „Volkshilfe“ eine Reinigungsaktion durchgeführt.
Bild: von Stockum

Insgesamt drei Reinigungsaktionen seien in den vergangenen Wochen im Kreis Gütersloh durchgeführt worden, informiert die „Volkshilfe“ auf ihrer Internetseite. Den Spielplatz neben dem Rhedaer Rathaus habe man von Müll und Zigarettenkippen befreit. Bei der Aktion hätten Vereinsmitglieder zudem Flugblätter verteilt und seien mit zahlreichen Passanten ins Gespräch gekommen, schreibt die „Volkshilfe“. Dabei hätten Bürger darum gebeten, „doch auch mal in ihre Viertel zu kommen, welche ebenfalls stark verunreinigt sind“. Der Verein kündigt im selben Atemzug an, seine Aufräumaktionen fortzusetzen, macht allerdings keine näheren Angaben dazu. Weder telefonisch noch per E-Mail war die „Volkshilfe“ am Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Durch einen Kommentar in der Facebook-Gruppe „Wenn du aus Rheda-Wiedenbrück kommst, dann...“ ist die im Vereinsregister des Amtsgerichts Osnabrück eingetragene Vereinigung nach eigenem Bekunden auf die Verschmutzungen aufmerksam geworden. Eine Anwohnerin hatte in dem sozialen Netzwerk ein Foto von einem überquellenden Mülleimer gepostet und dazu geschrieben: „So sieht es auf dem Spielplatz aus, traurig, traurig.“

Verein spart nicht mit Kritik

In dem Bericht auf ihrer Internetseite über die Aufräumaktion spart die „Volkshilfe“ nicht mit Kritik. Der Spielplatz liege unweit des Rathauses und könne daher kein blinder Fleck auf der Landkarte der Lokalpolitiker sein, heißt es dort. Der Zustand der öffentlichen Anlage werde nun regelmäßig von den Mitgliedern überwacht, denn: „Gesunde Bürger fühlen sich nur in einer gesunden Stadt wohl.“

Verfassungsschutz beobachtet Aktivitäten

Der Verfassungsschutz des Landes Niedersachsen ist bereits vor längerer Zeit auf den Verein aufmerksam geworden. „Es gibt tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht einer rechtsextremen Bestrebung“, erklärte am Donnerstag eine Sprecherin der Behörde auf Nachfrage. Nach den Übergriffen auf Frauen am Kölner Dom in der Silvesternacht 2015/16 hätten Mitglieder in den Wochen darauf Pfefferspray an Passanten auf den Bahnhöfen in Osnabrück, Papenburg, Leer und Bielefeld verteilt – zum Schutz.

Der „Volkshilfe“ gehören nach Erkenntnissen des zuständigen Verfassungsschutzes in Hannover auch ehemalige Aktivisten der „Autonomen Nationalisten Wallenhorst“ (ANW) an, die vor allem 2012 mit rechtsextremistisch motivierten Farbschmierereien im nördlichen Landkreis Osnabrück Schlagzeilen gemacht hätten. Inzwischen habe der Verein seine Aktivitäten aber zum Großteil nach Ostwestfalen verlagert, erläuterte die Behördensprecherin. Dazu passt, dass auf der Internetseite der „Volkshilfe“ ein Verantwortlicher mit Anschrift in Rheda-Wiedenbrück genannt wird.

Unterstützung für „deutsche Landsleute“ als Ziel

Die auf der Seite beschriebenen Ziele hören sich vordergründig harmlos an. Man wolle dem deutschen Volk das Zusammengehörigkeitsgefühl zurückgeben, das in der heutigen Ellenbogengesellschaft verloren gegangen sei, ist dort zu lesen. Gelingen soll dies durch verschiedene Hilfsprojekte. Säuberungsaktionen auf Spielplätzen und die kostenlose Abgabe von Pfefferspray an „deutsche Frauen“ zur Selbstverteidigung sind dabei nur zwei Aspekte. Unter dem Motto „Willkommenskultur für deutsche Kinder“ sollen Startpakete mit Biowindeln, einer Silbermünze sowie einem gemalten Porträt des Babys an interessierte Familien verschenkt werden. Zudem kündigt die Vereinigung an, „deutsche Landsleute“ bei Behördengängen zu unterstützen, denn: „Auf den Ämtern gibt es zwar Hilfe, allerdings nur für Personen, die kein Deutsch sprechen.“

Stadtverwaltung nennt „Volkshilfe“ scheinheilig

Der Rheda-Wiedenbrücker Stadtverwaltung ist die „Volkshilfe“ nach eigenem Bekunden nicht unbekannt. 2016 hätten Mitglieder im Flora-Westfalica-Park Spielkisten und Faltblätter mit nationalsozialistischen Inhalten verteilt. Diese seien damals von Mitarbeitern des Bauhofs sichergestellt worden, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Mit Blick auf die Aufräumaktion auf dem Spielplatz beim Rathaus fand Erster Beigeordneter Dr. Georg Robra deutliche Worte: Man sei nicht gewillt, sich von der Scheinheiligkeit des Vereins blenden zu lassen. Mit ihrem bürgerlichen Engagement wolle die „Volkshilfe“ ihre wahren Motive verschleiern. Dr. Robra: „Die Stadtverwaltung lehnt jegliche Aktivitäten rechtsradikaler Gruppen ab und verurteilt alle Aktionen, durch die destruktives Gedankengut mit positiv besetztem Engagement überlagert werden soll.“

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