Volles Gotteshaus beim Gospelkonzert
Bild: Stephan
Mitsingen ausdrücklich erwünscht: Weit mehr als 500 Besucher lockte der US-amerikanische Gospelchor um Samuel Silvester Franklin in die Wiedenbrücker St.-Aegidius-Pfarrkirche.
Bild: Stephan

Zum „Best of Black Gospel“-Konzert war die Wiedenbrücker St.-Aegidius-Pfarrkirche so gut besucht wie sonst nur zu christlichen Hochfesten. „Wir haben ein ausverkauftes Haus. Alle 500 Plätze auf den Kirchenbänken sowie zusätzlich aufgestellte Notsitze sind im Vorfeld vergeben worden“, berichtete Kantor Jürgen Wüstefeld, der den Auftritt des Gospelchors organisiert hatte. Alle, die ein Ticket ergattert hatten, durften sich am Ende freuen: Das gut eineinhalbstündige Konzert hielt, was der Werbeflyer zur Geburtstagstour „20 Years of Gospel“ versprach. „Bei der gesanglichen Qualität und musikalischen Hingabe des Chors ist jedes Konzert eine Ausnahmeveranstaltung, bei der die ‚Gute Nachricht’ immer im Vordergrund steht – ‚Gänsehautfeeling’ ist garantiert“, hieß es dort.

Mitmachen erwünscht

Wer allerdings geglaubt hatte, er könne sich in der Kirchenbank zurücklehnen und entspannt den Darbietungen der sieben Sänger und drei Musiker lauschen, der musste sich gleich zu Beginn eines Besseren belehren lassen. „Gospel ist Händeklatschen, Armschwingen, lautes Mitsingen und Gänsehaut am ganzen Körper“, hatte Chorleiter Samuel Silvester Franklin die Besucher in seiner Anmoderation auf aktives Mitmachen eingeschworen.

Mit seiner vollmundigen Ankündigung hatte Franklin nicht zu hoch gegriffen. Auch wenn eine Besucherin mit italienischen Wurzeln am Ende des Konzerts meinte, da hätte noch mehr kommen können, war das ostwestfälische Publikum in St. Aegidius Wiedenbrück in Bewegung wie sonst wohl selten zuvor. Zu den Gospelklassikern wie „When the Saints Go Marching in“, „Swing Low Sweet Chariot“, „Down By the Riverside“ oder „Kumbaya“ wurde kräftig mitgesungen, mitgeklatscht oder mitgetanzt – eben nach bester Gospeltradition.

„Kein Hass mehr, kein Töten“

Höhepunkte des Konzerts waren die inbrünstig vorgetragenen Soli der sieben Sänger, die allesamt zu den weltbesten ihres Genres zählen. Dabei waren jederzeit die Freude am Gesang und die Lebenslust der Musiker hautnah zu spüren.

„Gospel darf – nein, Gospel muss Spaß machen“, unterstrich Chorleiter Franklin, der mit seinen Sprüchen und zum Teil theatralischen Bewegungen gute Laune garantierte. Nur einmal wurde Franklin ernst, als er kurz auf die politische Situation in seinem Heimatland zu sprechen kam. „Kein Hass mehr, kein Töten, kein Rassismus und kein Krieg“, forderte er unter dem Beifall der Konzertbesucher. „Was wir brauchen“, so Franklin, „sind Gott, sein Friede und seine Liebe“.

Spätestens zum Ende des Konzerts in St. Aegidius Wiedenbrück war der Gospel-Funke wohl auch auf die letzten Besucher in den beiden Seitenschiffen übergesprungen: Was für ein glücklicher Tag – „Oh Happy Day“ – sangen Chor und Publikum gemeinsam, wobei es niemanden mehr auf seinem Sitzplatz hielt. Bleibt am Ende nur die Frage, warum Menschen auf der einen Seite bereit sind, 28 Euro für das Mitsingen von Kirchenliedern zu bezahlen, auf der anderen Seite aber der sonntägliche Kirchgang in Deutschland tendenziell stark rückläufig ist.

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