Von Zons setzt sich für Ersatztermin ein
Archivbild: von Stockum
Um die Erinnerung an die Opfer der Pogromnacht wach zu halten, plädiert Ratsfrau Sonja von Zons für eine nachgezogene Gedenkfeier. Als Ersatztermin schwebt der Bündnisgrünen der 27. Januar vor, der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Archivbild: von Stockum

Während die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld und der Heimatverein Rheda den Vorschlag begrüßen, sieht sich die Stadt nicht in der Verantwortung. Der 27. Januar gilt als offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Man habe von dem Vorschlag Kenntnis genommen, teilt Bürgermeister Theo Mettenborg auf Anfrage der „Glocke“ in einer schriftlichen Stellungnahme mit, und weiter: „Aus städtischer Sicht sehen wir keinen Ersatz für die nicht durchgeführte Pogrom-Veranstaltung.“ Grundsätzlich respektiere die Stadtverwaltung jede Überlegung der Israel-AG des Rhedaer Einsteingymnasiums oder anderer Akteure zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Man bitte jedoch um Verständnis, „dass wir keine koordinierende Funktion übernehmen“. Selbstverständlich, so lässt sich Mettenborg weiter zitieren, stünde man in gebotenem Umfang unterstützend zur Verfügung.

Sonja von Zons bedauert die Reaktion des Stadtoberhaupts, zeigt sich aber kompromissbereit. In Zeiten, in denen Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus wieder erstarken, sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen, erläutert die Bündnisgrüne ihren Vorstoß. Es komme ihr indes darauf an, „was letztlich bei den Überlegungen herauskommt“. So habe sie bereits bei der Israel-AG vorgefühlt hinsichtlich einer Gedenkfeier am 27. Januar. Dort, so sagt von Zons, würde man sich über die Chance freuen, doch noch die vorbereiteten Musikstücke und Textbeiträge vorbringen zu können. „Vielleicht besteht dort sogar das Interesse, die Veranstaltung allein oder mit weiteren Partnern zu organisieren – auch ohne die Stadt.“

In der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld könnte man sich durchaus vorstellen, die ausgefallene Andacht an dem vorgeschlagenen Datum nachzuholen. Vorsitzende Irith Michelsohn bezeichnete den 27. Januar als „ausgezeichneten Tag für einen Ersatztermin“. Sie wolle gern kommen, erklärte sie. Da es sich bei dem Datum um einen Freitag handelt, sei es allerdings wichtig, die Feierstunde rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit – und somit dem Beginn des Schabbat – zu beenden. Michelsohn zeigte sich zugleich offen für einen möglichen Veranstaltungsort auch abseits des jüdischen Friedhofs am Woesteweg in Rheda. Es gebe vielfältige Möglichkeiten des Gedenkens, sagte sie. Auch eine Feierstunde in einer Schule könne dem Anlass angemessen sein.

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