Von der Konstruktionsorgel zur App
Die Designer Guido Raschke (links) aus Leopoldshöhe und Thomas Loschen aus Rheda-Wiedenbrück sind mit ihrer nach Plänen des Künstlers László Moholy-Nagy gebauten „Konstruktionsorgel“ und der daraus entwickelten neuen App in der Ausstellung „Sensing the future“ vertreten, die ab sofort im Berliner Bauhaus-Archiv zu sehen ist.

Dabei handelt es sich um ein ganz spezielles Objekt, das der Rheda-Wiedenbrücker Designer Thomas Loschen mit seinem Kollegen Guido Raschke (Leopoldshöhe) nach Originalplänen Moholy-Nagys entwickelt hat.  Damit wollte der Künstler 1938 die Kunst sozialisieren: Sie sollte nicht nur für jedermann zugänglich sein, sondern auch für jeden machbar werden.

Als vielseitig interessierter Avantgardist und Formmeister der Metallwerkstatt am Bauhaus suchte der gebürtige Ungar zeitlebens nach immer neuen Ausdrucksformen. Dabei mischte er experimentierfreudig Malerei, Fotografie, Technik und Film, um genreübergreifende Installationen und Objekte zu bekommen. Nicht von ungefähr gilt Moholy-Nagy als einer der ersten Multimediakünstler der Welt.

Als er 1938 in die USA emigrierte und dort neue Techniken zur Verarbeitung und Sicherung von Daten und Informationen kennenlernte – die Vorläufer der heutigen Computer – erdachte er die „Konstruktionsorgel“, ein Gerät zur einfachen Erzeugung und Speicherung von Bildkompositionen. Auf Lochkarten codiert, sollten unterschiedliche künstlerische Bildelemente abruf- und nutzbar für jedermann werden. Doch der Künstler fand keinen Geldgeber für seine Idee. Die Pläne für die Konstruktionsorgel verschwanden in der Schublade – bis Thomas Loschen und Guido Raschke 1996 im Rahmen ihres Designstudiums an der FH Bielefeld darauf aufmerksam wurden. Sie setzten die Idee als Hommage an Moholy-Nagy ganz zeitgemäß in ein Computerprogramm um – nostalgisch verpackt in einer Holzkiste, die ebenfalls nach den Original-Gestaltungsplänen des Künstlers entstand.

Die Ausstellung „Sensing the future“ im Berliner Bauhaus-Archiv ist bis zum 12. Januar geöffnet. Kuratiert wurde sie von Oliver Botar on der Universität Mabitoba in Kanada. Bei der Schau handelt es sich um eine Kooperation mit dem Institute of Contemporary Art in Winnipeg. Finanziell unterstützt wird sie unter anderem vom New Yorker Salgo Trust for Education und dem Hauptstadtkulturfonds Berlin.
 Erstmals präsentiert haben sie ihre „Konstruktionsorgel“ bereits 1999 im Gründungsgebäude des Bauhauses in Weimar. 2004 wurde sie im Rahmen einer Bauhaus-Ausstellung in der Bielefelder Kunsthalle gezeigt. Mittlerweile haben die beiden Designer daraus eine moderne App fürs iPad entwickelt. Sie soll – passend zur Ausstellungseröffnung in Berlin – ab heute zum Download bereitstehen. „Damit wird Moholy-Nagys Idee nach 84 Jahren endlich Realität. Denn jetzt kann jeder nach dessen Plänen konstruktivistische Bilder schaffen und diese bequem mit anderen Nutzern weltweit teilen“, sagt der 46-jährige Thomas Loschen, der bei Planta- medium in Freckenhorst arbeitet. Wichtig ist ihm der didaktische Ansatz der App: „Sie lässt sich gut für den Kunstunterricht an Schulen nutzen.“

Nähere Informationen finden sich im Internet unter www.konstruktionsorgel.de und unter www.bauhaus.de

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