Weihnachtsgeld trotz Verschuldung
Bild: Vormittag
Guckt bei den Akten genau hin: Rainer Bartonitschek von der Schuldnerberatung unterstützt Betroffene nicht nur dabei, einen Antrag auf Pfändungsschutz des Weihnachtsgelds zu stellen. 
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Das Geld wird knapper, Zahlungen können nicht mehr eingehalten oder Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden. Der Schuldenberg wächst und wächst. Das Thema ist auch in der Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Denn auf den Girokonten der Arbeitnehmer geht möglicherweise das Weihnachtsgeld ein. Es wäre denkbar, zum Beispiel Geschenk-Einkäufe für die Kinder oder weihnachtliche Besorgungen davon zu tätigen. Für Schuldner jedoch könnte von dem zusätzlichen Entgelt des Arbeitnehmers schlimmstenfalls nichts übrig bleiben. Dann nämlich, wenn aufgrund angehäufter Schulden bereits ein Zwangsvollstreckungsbeschluss ergangen ist, und das Konto nicht in ein so genanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umgewandelt wurde. Zwar habe der Gesetzgeber bestimmt, dass ein Teil des Weihnachtsgelds, maximal 500 Euro, unpfändbar ist, erklärt dazu Rainer Bartonitschek von der Schuldnerberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) für den Kreis Gütersloh in Wiedenbrück, doch auch dieser unpfändbare Teil sei eben nicht automatisch vor der Pfändung geschützt.

Selber aktiv werden

„Der Eingang des Weihnachtsgelds auf dem Konto führt dazu, dass der Grundfreibetrag in Höhe von 1045 Euro, der auf jedem P-Konto automatisch zur Verfügung steht, überstiegen wird“, erläutert er im Gespräch mit der „Glocke“. Der Kontoinhaber müsse selber aktiv werden, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge, der seit 2008 für den Verein in Rheda-Wiedenbrück tätig ist. „Betroffene müssen in diesem Fall einen formlosen Antrag beim Vollstreckungsgericht oder der entsprechenden Behörde stellen, um zu bewirken, dass der unpfändbare Teil pfandfrei belassen wird“, informiert er. „Wir empfehlen dies in schriftlicher Form, und im besten Fall gut vorbereitet zu tun. Denn eine kürzere Bearbeitungsdauer des Antrags hängt auch davon ab.“ Bis zu vier Wochen könne man rückwirkend eingreifen. Dann aber müsse die Bank das Geld an die Gläubiger weiterführen. Diese verhalte sich da gesetzlich korrekt.

Arbeitslosigkeit ist Hauptursache

Von Überschuldung wird gesprochen, wenn Menschen keine Rücklagen haben, und die monatlichen Ausgaben die Einnahmen dauerhaft übersteigen. Eine folgenschwere Spirale, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht, und deren Gründe fremdbestimmt, selbstverschuldet oder schlichtweg unglücklich sein können. „Die Leute kommen hilflos hier an, und haben oft noch mehr Probleme im Päckchen“, sagt Bartonitschek. „Menschen ab 35 Jahren, also wenn die ersten Lebenskrisen auftreten, sind am häufigsten betroffen.“ Mit einer Verschuldung gehe oft ein sozialer Rückzug einher, sagt der 43-Jährige, der mit seiner Kollegin Jennie Schmid-Zirnsak im Bereich Schuldnerberatung beim SKFM an der Lütkestraße tätig ist. Die Hauptursachen seien in der Reihenfolge Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung sowie Krankheit. „Wir versuchen natürlich auch das Verhalten der Menschen zu verändern. So dass sie Rücklagen bilden oder besser mit Geld auskommen,“ erklärt Bartonitschek. Zur TV-Sendung „Raus aus den Schulden“ mit Peter Zwegert hat er eine geteilte Meinung: „Einerseits sorgt das für eine Enttabuisierung, andererseits werden die Fälle für Quoten gemacht.“

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