Weit weg von „kannibalösen“ Zuständen
Leerstand in Packpapier geschlagen: Am Rathausplatz in Rheda steht das Ladenlokal einer ehemaligen Fleischerei leer. Grundsätzlich ist die Situation in beiden Zentren aber entspannt.

Es wäre zu kurz gedacht, die Verödung mancher Innenstädte – Rheda und Wiedenbrück sind davon noch weit entfernt – allein auf den boomenden Online-Handel zurückzuführen. Denn der Wandel hat deutlich früher eingesetzt. So sind auch die Zentren in der Doppelstadt zunehmend von bedeutenden Funktionen entleert worden. Wichtige Institutionen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Grundversorgung und Verwaltung sind an die Ränder verlegt oder gleich dort angesiedelt worden. Wer als Einzelhändler oder Handwerker dem Kern treu blieb, musste zuschauen, wie Stück für Stück der Strom der Laufkundschaft verebbte.

Insbesondere dem Lebensmittelbereich kommt eine tragende Rolle beim anhaltenden Strukturwandel zu: Heute kann der Kunde all das, was er vor wenigen Jahrzehnten im Zentrum erledigte, auf der einst grünen Wiese tun: Schuhe, Unterhaltungselektronik, Fleisch und Backwaren gibt es dort ebenso wie ausreichend Parkplätze, Konzerte und einen neuen Haarschnitt. Zu guter Letzt haben sich auch noch die Ärzte in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt. Das alles führe zu einem verschärften Konkurrenzwettbewerb, der in vielen Fällen kannibalöse Ausmaße annehme, heißt es bereits im Einzelhandelskonzept von 2008 für die Stadt Rheda-Wiedenbrück.

Deutlich weniger dramatisch sehen das die Spitzen der Kaufleute in der Doppelstadt. Schon gar nicht möchte man beim Gewerbeverein Wiedenbrück von einem Leerstandsproblem sprechen, wenngleich dieser Eindruck bei dem einen oder anderen auswärtigen Besucher entstehen könnte. Immer noch seien Einzelhandelsflächen nachgefragt, heißt es. „Im Grunde genommen sind wir so gut wie schon lange nicht mehr aufgestellt“, betont Vorstandsmitglied Michael Ebeling. In dem Markt sei eine Menge Bewegung. Gewünscht wurden häufig aber große Flächen, mit denen man kaum dienen könne.

Auch Klaus Boxberger von der Initiative Rheda betont, dass die Lage deutlich entspannter als in vielen anderen vergleichbaren Innenstädten sei. Zwar habe man im Ort das eine oder andere leerstehende Ladenlokal vorzuweisen, sei aber guter Dinge, in diesen irgendwann wieder neue Nachbarn begrüßen zu können. Gleichwohl bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen, um die Strukturen zu optimieren.

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