Welle der Hilfsbereitschaft nach Hofbrand
Bilder: Wille
40 Pferde vom Hof Reiling/Liebetrau sind auf der stillgelegten Putenfarm Günnewig in Oelde nahe des Gewerbeparks Aurea gut untergekommen. Drei Tage nach dem schweren Brand spielen sie schon wieder ausgelassen in dem von Helfern errichteten Freilauf. Hier fehlt es ihnen dank tatkräftiger Unterstützung von Freunden und Bekannten der ausgebrannten Familie an nichts.
Bilder: Wille

Auf dem stillgelegten Putenhof Günnewig an der Wiedenbrücker Straße nahe des Gewerbeparks Aurea herrscht Unruhe: Hier haben 40 Pferde vorübergehend ein neues Zuhause gefunden, unzählige Helfer arbeiten unter Hochdruck. Die Wege freischüppen, Stroh in die Boxen tragen, die Pferde füttern und sie in den Freilauf führen – das sind nur einige der vielen Arbeiten, mit denen sie der ausgebrannten Familie unter die Arme greifen.

Reitverein als zentrale Anlaufstelle für Helfer und Spender

Der Reitverein Reckenberg, in dem Hofbesitzerin Claudia Reiling Mitglied ist, fungiert als zentrale Sammelstelle für Spenden. Hier können Sachspenden wie Futter, Heu und Stroh abgeliefert werden. „Wir sind allen Spendern sowie den Hofbesitzern, auf denen unsere Pferde untergekommen sind, sehr dankbar. Besonders geholfen haben uns die Familien Hartmann und Hartwig“, sagt Tochter Julia Reiling. Futter, Sättel und Satteldecken würden nach wie vor benötigt.

Erlös des Weihnachtsreitens geht an Familie Reiling

Der Reitverein Reckenberg will den Erlös seines traditionellen Weihnachtsreitens der Familie Reiling/Liebetrau spenden. Der Hof Plümpe in der Bauerschaft Holter bei Sünninghausen hat sich dazu bereit erklärt, am zweiten und dritten Advent ein Ponyreiten auf seinem Weihnachtsmarkt anzubieten. Das Geld soll ebenfalls in den Wiederaufbau des Hofs fließen.

Claudia Reiling vor der Brandruine.
Nach der Brandkatastrophe vom vergangenen Samstag mussten 72 Pferde so schnell wie möglich untergebracht werden. Die Firma Witte stellte den stillgelegten Putenhof an der Wiedenbrücker Straße im Grenzbereich zu Oelde zur Verfügung, wo vorübergehend 40 Tiere leben. Der Reitverein Reckenberg nahm 20 Pferde auf. Die restlichen Tiere konnten auf Höfen von Bekannten zeitweilig unterkommen.

Stute musste eingeschläfert werden

Vier Pferde haben leichte Verbrennungen davongetragen, eine Stute hat es aufgrund schwerer Verletzungen nicht geschafft. „Sie musste am Dienstag leider eingeschläfert werden“, sagt Claudia Reiling. Den übrigen 71 Pferden fehlt es aber an nichts: Sie toben, springen und wälzen sich ausgelassen im Sand. „Den Pferden geht es gut, das ist die Hauptsache“, betont Claudia Reiling.

Als ein Hofangestellter am Samstagmorgen die 21-jährige Julia Reiling anrief, wusste die sofort, dass etwas nicht stimmte: „Hier ist ein kleines Feuer“, sagte er. Sofort gab Julia Reiling ihrer Familie Bescheid, die schnell zu den Ställen lief, um die Tiere zu retten.

Tiere mit Flex aus Ställen befreit

Ihr Vater erlitt schwere Verbrennungen, als er mit einer Flex die Boxen der Pferde öffnete, um sie schnellstmöglich zu befreien. „Ich habe meinen Vater aus den Flammen gezogen“, berichtet Julia Reiling. Wie das Feuer entstand, ist bislang unklar.

Da noch ungewiss ist, inwieweit das an die Ställe angrenzende Wohnhaus durch den Brand in Mitleidenschaft gerissen wurde, muss die Familie Reiling/Liebetrau erstmal woanders unterkommen. „Ich wohne jetzt bei meinem Freund, und meine Eltern sind bei dem Bruder meiner Mutter eingezogen“, sagt Julia Reiling.

„Wir wollen weitermachen“

Da die Stallungen nicht versichert waren, muss die Familie die Kosten des Wiederaufbaus selbst tragen. Man will sich nicht unterkriegen lassen: „Die Hälfte der Fundamente steht noch. Wir wollen weitermachen.“

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