Wenn der Lärm zur Last wird
Bild: Nienaber
Das geht auf die Ohren: Der Lärm von Straße und Schiene kann für Anwohner zu einer enormen Belastung werden. Eine Hauptverkehrsader mit mehr als 8200 Fahrzeugbewegungen am Tag ist beispielsweise der Nordring in Höhe des Wiedenbrücker Ratsgymnasiums.
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Dass sich die Politiker im Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr überhaupt mit dem Thema befasst haben, geht auf die sogenannte Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union zurück. Diese verpflichtet die Mitgliedsstaaten dazu, alle fünf Jahre Lärmkarten zu erstellen und nötigenfalls eine Aktionsplanung mit geeigneten Gegenmaßnahmen aufzustellen. Während die Zuständigkeit für Hauptverkehrsstraßen bei den Bundesländern beziehungsweise den Kommunen liegt, ist für den Bereich Schiene das Eisenbahnbundesamt federführend.

Hauptverkehrsadern im Fokus

Betrachtet werden bei der Lärmaktionsplanung lediglich Hauptverkehrsadern – also Autobahnen, Bundes- oder Landesstraßen mit einer jährlichen Belastung von mindestens drei Millionen Fahrzeugen. Das entspricht 8200 Autos, Lastwagen oder motorisierten Zweirädern am Tag. In Rheda-Wiedenbrück trifft dies laut Gutachter Ralf Pröpper für die A 2, die B 55, B 61 und B 64 sowie die L 568 (Herzebrocker Straße ab „Auf der Schulenburg“, Wilhelmstraße und Gütersloher Straße) und die L 791 (Nordring und Ostring bis Varenseller Straße) zu. Als Hauptverkehrsachse im Schienenbereich gilt die Bahntrasse Hannover-Dortmund mit mehr als 30.000 Zugbewegungen im Jahr. Die Strecke durchquert den Stadtteil Rheda auf voller Länge.

Ab 70 Dezibel wird es bedenklich

Als Grenzwert, ab dem Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen, hat die EU den Wert von 70 Dezibel bei Tag und 60 Dezibel bei Nacht festgesetzt. Das Gutachten, das in der jüngsten Bauausschusssitzung vorgestellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass in Rheda-Wiedenbrück 20 Personen im gesamten 24-Stunden-Zeitraum und 38 Personen des nachts betroffen sind. Die Hälfte der entsprechenden Häuser befindet sich laut Experte im Einflussbereich der A 2, „die schon im Zuge ihres Ausbaus mit Schutzmaßnahmen versehen wurde“. Bereiche mit sehr starker Lärmbelastung durch Autoverkehr und hoher Einwohnerzahl gebe es in der Emskommune nicht. Planungen zum Schutz einzelner Objekte seien nicht erforderlich.

Schienenverkehr belastet viele Bürger

Anders stellt sich die Situation hinsichtlich des Schienenlärms dar. Hier seien 410 Bürger bei Tag und 1120 Personen bei Nacht von Pegeln betroffen, die über dem sogenannten Auslösewert liegen.

Während die Belastung durch den Straßenverkehr laut Gutachten in Rheda-Wiedenbrück eher unproblematisch ist, gibt es bezüglich des Lärms, der von der Schiene ausgeht, sehr wohl etwas zu tun. Verantwortlich für die Einleitung geeigneter Maßnahmen sind jedoch nicht das Land und die Kommune, sondern das Eisenbahnbundesamt. Ob es dort bezüglich der Trasse Hannover-Dortmund, die quer durch Rheda verläuft, schon Planungen gibt, war während der jüngsten Ausschusssitzung noch unklar. Fachmann Ralf Pröpper aus Osnabrück betonte ganz allgemein, dass der Grenzwert von 60 beziehungsweise 70 Dezibel nicht das Maß aller Dinge ist. „Auch Menschen, die in Gebieten wohnen, in denen die Auslösekriterien nicht erfüllt werden, können sich durchaus betroffen fühlen.“

„Undurchsichtig und unbefriedigend“

Als „undurchsichtig, unbefriedigend und wenig konkret“ bezeichnete Peter Rentrup (Grüne) in der Ausschusssitzung die Herangehensweise an dieses „für viele Bürger wichtige Thema“. Auch wenn das Gutachten zu einem anderen Schluss komme, sei Straßen- und Schienenlärm ein „Riesenproblem“. Die „völlig willkürliche“ Festsetzung eines Grenzwerts von 70 Dezibel durch die EU verfolgt nach Einschätzung Peter Rentrups „lediglich das Ziel, dass möglichst wenig Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung übergesetzt werden müssen“.

Kosten nicht auf Kommunen abwälzen

„Wir müssen aufpassen, dass die Straßenbaulastträger die entstehenden Kosten für Lärmschutzmaßnahmen nicht auf uns als Kommune abwälzen“, forderte Peter Berenbrinck (SPD), denn: „Wenn man ernsthaft etwas machen will, geht es bundesweit um Milliardensummen.“

Mit Blick auf den für 2018 geplanten Abschluss der Rheda-Wiedenbrücker Lärmaktionsplanung warnte Thomas Theilmeier-Aldehoff (CDU) vor übertriebenem Optimismus. „Die Bearbeitungszeit der Bahn, die ebenfalls mit im Boot sitzt, sollten wir nicht überschätzen.“

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